Resonanz

10 Punkte Papier

  1. Was war das Potsdamer Stadtschloss?
    • Zuerst eine Visitenkarte. Damit bewies das arme und  benachteiligte Brandenburg, dass es in der ersten Liga in Europa mithalten wollte und konnte. Ein beispiellos erfolgreicher Versuch, aus dem provinziellen Mittelmaß aufzusteigen.
    • Ein Konjunkturankurbelungsprogramm für die heimische Wirtschaft.
    • Ein Arbeitsbeschaffungsprogramm.
    • Ein Exportpavillon für das heimische Handwerk.
    • Ein Ort der Weiterbildung, ein Ansporn zum Besser- Werden.
    • Kulturstandort (Oper, Theater, Konzert).
    • Wissenschaftsstandort (Akademie der Wissenschaften, Voltaire, Gebrüder Humboldt).
    • Regierungsgästehaus, Verwaltung, Tourismuswerbung.
    • Das Schloss war immer öffentlich!
  2. Nur wenige Gebäude in Brandenburg haben einen derartig hohen internationalen Kunstwert wie das Knobelsdorff’sche Schloss. Wissenschaftler bewerten es teilweise als qualitätvoller als das Berliner Schloss. Es stand über Mode und Geschmack und ist von allen Generationen als schön empfunden worden.
  3. In keinem anderen Gebäude in Brandenburg ist derartig viel europäische Geschichte geschrieben worden.
    • Toleranzedikt von Potsdam
    • Abschaffung der Folter
    • Allgemeine Schulpflicht, Bildungsoffensive
    • Bauernbefreiung, Stein-Hardenbergsche Reformen
    • Vorformen des Rechtsstaats, Allgemeines Landrecht, unbestechlicher Beamtenethos
    • „In meinen Staaten soll ein jeder nach seiner Facon selig werden“
    • Emanzipation der Juden
    • Friedenskongresse von 1709 bis 1913
  4. Kein anderes Gebäude in Brandenburg ist von derartig vielen Berühmtheiten der Geschichte, auch aus Wissenschaft, Kunst und Kultur besucht worden.
  5. Warum das Schloss für den Landtag wieder aufbauen?
    • Weil es der richtige Ort ist. Hier wurden die Geschicke des Landes bestimmt. Und hier werden sie wieder bestimmt werden.
      Fast alle deutschen Landtage residieren in historischen Gebäuden.
    • Der Deutsche Bundestag arbeitet im Reichstagsgebäude.
    • Fast alle europäischen Länder haben problemlos ihre Parlamentsgebäude aus ihrer jeweiligen Geschichte übernommen.
  6. Ist das rückwärtsgewandt, nostalgisch?
    • Eindeutig: nein. Seit der Antike sind von allen Völkern und Nationen die identitätsstiftenden Bauwerke für die eigene Zukunft wieder aufgebaut worden. In ganz Osteuropa sind Rekonstruktion und Wiederaufbau ein zentrales gesellschaftspolitisches Thema.
    • Der Wiederaufbau Warschaus ist Weltkulturerbe. In Wilnius entsteht der Renaissance Palast der Großherzöge von Litauen bis 2010 als Nationalmuseum und Kulturstandort neu. Paris denkt über den Wiederaufbau des Tuillerien-Schlosses nach. Die St. Petersburger Schlösser wurden und werden selbstverständlich wieder aufgebaut.
    • In Deutschland wird in zahlreichen Städten daran gearbeitet, die Wunden von Krieg und „Abriss-Wiederaufbau“ der Nachkriegszeit durch Rekonstruktionen zu heilen (Dresden, Frankfurt am Main, Wesel, Halle, Nürnberg, Leipzig, Halberstadt u.a.) Die Initiativen bestehen überwiegend aus jungen Leuten.
  7. Kommt in Potsdam ein Neubau oder ein Stilmix, verschläft Potsdam und Brandenburg einen gesellschaftlichen Trend unserer Zeit. Nach Potsdam kommt man nicht wegen Stahl und Beton, sondern wegen Kunst und Geschichte.
  8. Geht ein Wiederaufbau überhaupt?
    • Eindeutig: ja. Wenn man es denn genau und liebevoll und sorgfältig nach den Regeln der Denkmalpflege macht. „Innen“ und „Außen“ müssen etwas „miteinander zu tun haben“.
    • Von kaum einem anderen zerstörten Gebäude sind derartig viele Originalteile innen wie außen erhalten. (Was passiert im Falle eines Neubaus damit?)
    • Es über 600 maßgerechte Fotografien auch von kleinsten Details und genaue Bauaufmaße. Die Matrix der Schloss-Fassaden, der „Gen-Code“ des Potsdamer Stadtschlosses ist erhalten.
  9. Kosten
    • Durch die Privatspende von Prof. Plattner sind die Zusatzkosten für die historischen Fassaden gedeckt – eine einzigartiger Glücksfall.
    • Die genannten € 120 mio. entsprechen ca. fünfzehn Kilometern Autobahn. Alleine der unterirdische Bahnhof des Flughafens Schönefeld wird etwa das Doppelte verschlingen.
  10. Nutzen
    • Die historischen Fassaden würden Stellen im qualifizierten Handwerk sichern.
    • Das Geld würde in der Region bleiben.
    • Beispiel Dresden: dort war der Wiederaufbau der Frauenkirche ein weltweiter Erfolg. Das Standort - marketing ist mit Geld überhaupt nicht mehr zu beziffern. Die Innenstadt soll wieder mit teilweise historischen Leitbauten rekonstruiert werden. Der Wert der dortigen Grundstücke ist um das drei bis fünf-fache gestiegen. Der bis vor kurzem brachliegende Neumarkt ist wieder Zentrum mit italienischem Flair. Beispiel Frankfurt/Main: die Wohnungen und Geschäfte in des virtuell rekonstruierten „Krönungsweges“ waren nach kurzer Zeit vermietet oder verkauft. Das kann in Potsdam mit dem Schloss auch gelingen
    • Wie mit der Dresdner Frauenkirche kann ein Landtag im Schloss den Stimmungsumschwung zum Positiven in Stadt und Land bewirken. In Potsdam besteht mit einem Landtagsschloss die Chance für einen positiven brandenburgischen „Identitätswiederaufbau“ für mehr Stolz auf das Eigene und die Chance für eine Versöhnung mit der eigenen Geschichte.

Dr. Hans-Joachim Kuke, Verein Potsdamer Stadtschloss e.V.