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Architekt Peter Kulka pocht auf ein modernes Treppengeländer und droht offen mit Rückzug

 

Architekt Peter Kulka pocht auf ein modernes Treppengeländer und droht offen mit Rückzug

An der Treppe scheiden sich die Geister. Soll sie im künftigen Landtag in Potsdam eher modern, schlicht und in weiß gehalten sein? Oder lieber historisch angelehnt mit einem eleganten, filigranen Geländer? Der Architekt Peter Kulka plädiert vehement für die erste Variante, die allerdings von seinen bisherigen Entwürfen abweicht. Ursprünglich geplant war Variante zwei: ein weniger modernes Treppenhaus.

Darüber ist nun ein Streit entbrannt, der in einem Brief Kulkas in dieser Woche an alle Beteiligten gipfelt. Darin droht er gegenüber dem Landtag und dem auftraggebenden Finanzministerium einerseits mit Rückzug vom Projekt, falls auf Variante zwei beharrt wird, drängt aber zugleich auf weitere Gespräche über seinen Vorschlag.

Und er macht sich in dem Schreiben, das der MAZ vorliegt, Luft über allerlei Missverständnisse, fehlende Abstimmungen und „unüberbrückbare Differenzen“ zwischen dem Land und der Baufirma BAM. „Das hat bereits zu unzähligen und oftmals sinnlosen Einsätzen von mir und meinem Team geführt“, heißt es dem Brief, der in Potsdam für geschäftige Aufregung sorgte.

Offiziell müht sich vor allem das Finanzministerium, die Differenzen als „völlig normal“ hinzustellen. Es sei üblich, wenn Auftraggeber mit dem Architekten über die Umsetzung des Projekts reden, sagte ein Sprecher. Nun glaubt niemand der Beteiligten wirklich, dass ausgerechnet an der Treppe das Projekt „Landtagsbau mit historischer Fassade“ scheitert, wohl aber steht die weitere Begleitung durch den allseits geschätzten Dresdner Architekten Peter Kulka in Frage. Formal ist dieser nicht mit dem Land verbandelt. Der Architekt ist sogenannter Nachauftragnehmer der bauausführenden Firma BAM und hat mit der einen Vertrag. Ein Rückzug würde am Bau zwar nichts ändern, wäre aber für die Außenwirkung des in öffentlich-privater Partnerschaft (ÖPP) entstehenden Projekts verheerend. Die einen sagen, die Lage sei weniger dramatisch. Kulka ziehe eben alle Register, um seine Ideen umzusetzen. Andere sehen Kulka auf dem Absprung. Er selbst will sich dazu momentan nicht äußern. Finanzministerium und Landtag hoffen, den hin und wieder sehr temperamentvollen Kulka noch milde zu stimmen. „Wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit“, schwärmt die Vizepräsidentin des Landtags, Gerrit Große, die auch der Kunst- und Ausstattungskommission für das neue Parlament vorsteht. „Sein Brennen für das Projekt hat auch uns entzündet.“ Sie hoffe, dass er trotz allem weiter macht.

Kunstkommissionschefin Große findet den neuen Alternativvorschlag von Kulka – eine Treppe mit viel weißem Marmor – eigentlich gar nicht so schlecht. Allerdings gebe es in der fünfköpfigen Kommission, die am Ende entscheidet, eine klare Tendenz zur historisch-angelegten Treppe. Diese wies allerdings Sicherheitsmängel auf, auf die Kulka schon Ende Mai hingewiesen hatte. Das Geländer hätte beispielsweise von Kindern überstiegen werden können. Auch war es wegen der Gefahr, dass Kinder ihren Kopf durchs Geländer stecken könnten, nicht sicher. Nun wird eine Verglasung erwogen. Diese Lösung findet Kulka aber nicht befriedigend. „Ich kann Ihnen versichern, dass ich diese Lösung zu keinem Zeitpunkt für diesen wunderbaren Raum zwischen Alt und Neu akzeptieren und planen werde, weil sie weder der Historie noch den modernen Innenräumen gerecht wird“, schreibt er.

Das Finanzministerium pocht auf die Ursprungsvariante. Kulkas neue moderne weiße Treppe hingegen könnte Mehrkosten erzeugen, über deren Höhe aber noch keine seriösen Zahlen vorliegen.

Überhaupt sind die Kosten für den Gesamtbau immer noch unklar. Noch im Juni will die BAM den Bauzeitplan vorlegen. Daraus soll sich ergeben, wie viel mehr der 120-Millionen-Euro-Bau kosten soll und ob sich die Eröffnung (geplant Herbst 2013), wie zuletzt befürchtet, ins Wahljahr 2014 verschiebt.

MAZ vom 08.06.2012, von Igor Göldner

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