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Aufsetzung der dritten Trophäe auf dem Fortuna Portal

Fortuna Portal am 27. August 2014 um 11:00 Uhr


Dritte große Skulptur vom Fortuna Portal wieder aufgesetzt

Am kommenden Mittwoch, dem 27.7. 2014 wird ab 11 Uhr wird mittels eines Kranes die dritte,
fast 6 Tonnen schwere Großplastik vom Fortunaportal wieder auf das obere Kuppelgeschoss gesetzt.

Wir laden die Öffentlichkeit herzlich dazu ein.

Anfang des Jahres 2009 entschloss sich der gebürtige Potsdamer Hans-Jürgen Zippel, für die „Drachentrophäe“ vom Kuppelgeschoss des Fortuna Portals 60.000 Euro dem Verein Potsdamer Stadtschloss e.V. zu spenden.

Im Sommer 2009 begannen die  Arbeiten in der Verantwortung der Firma Nüthen und des Bildauers Raffael Strauch. Als erster Schritt wurde aus den bei der SPSG original erhaltenen Fragmenten und den notwendigen Ergänzungen ein Modell im Maßstab 1:1 hergestellt. Das Modell wurde noch 2009 fertig.

2010 erfolgte die Umsetzung in Sandstein; diese Arbeiten unter Leitung von Dipl. Rest. (FH) Andreas Arthur Hoferick, Steinbildhauer waren im Sommer 2010 abgeschlossen (Mitarbeiter: Jens Cacha Steinbildhauer, Oleg Bessonov, Dipl. Bildhauer, Sascha Zallmann Steinmetz/Steinbildhauer, Thilo Reinhardt Steinbildhauermeister, Mirco Schoenfeld Steinbildhauer und Architekt).

Kern des Konzeptes war, alle original erhaltenen Teile mit den neuen Ergänzungen zu dem ursprünglichen Kunstwerk integrativ zusammenzusetzen. Alle Arbeitsschritte wurden von den Fachleuten der SPSG intensiv begleitet. Die „Projektsteuerung“ wurde vom Verein als Eigenleistung erbracht. Am 21. 7. 2011 wurde die Drachentrophäe  im Rahmen eines Festaktes dem Landtagspräsidenten Gunter Fritsch übergeben.

Der am 5. Januar 1926 in der Potsdamer Hohe Weg Straße geborene Hans-Jürgen Zippel ist am 22.Januar 2013 nach kurzer schwerer Krankheit verstorben. Sein sehnlicher Wunsch, die großartige Bildhauerarbeit  wieder auf dem Fortunaportal zu sehen, ist nicht in Erfüllung gegangen. Sein Neffe ist allerdings eingeladen und wird erwartet. Zur Motivation für seine Spende hat er einmal gesagt: „Als Kind habe ich in der Hohe-Weg-Straße immer auf die Figuren des Fortuna Portals geschaut. Wenn ich nicht mehr bin, soll die steinerne Figur mit dem kleinen Drachen auf mein Elternhaus schauen.“

Der Verein wertet das Aufsetzen dieser Trophäe an den alten Ort als Auftakt:  Auftakt zur Wiederherstellung des historischen Figurenschmucks auf dem nunmehr fertiggestellten Landtagsgebäude.
Dr. Hans-Joachim Kuke


Ein Geschenk für Potsdam (2009)

Der gebürtige Potsdamer Hans-Jürgen Zippel hat sich selbst und seiner Heimatstadt ein großzügiges Geschenk gemacht.
Er wird die Rekonstruktion der nächsten Trophäe auf dem Kuppelgeschoss des Fortuna Portals finanzieren. Es handelt sich um diejenige auf der südwestlichen Ecke.

Der in der ehemaligen Hohe-Weg-Straße, heute Friedrich Ebert Str. aufgewachsene Potsdamer des Jahrgangs 1926 hat bereits tatkräftig für die Wiederherstellung des Stadtkanals und der Nikolaikirche gespendet. Sein neuerliches Engagement für seine Heimatstadt ist auch ein Geschenk an Ehefrau Irmgard, die er bis zu ihrem Tode 2007 gepflegt hat.

Das Fortunaportal war der Hauptzugang zum Potsdamer Stadtschloss. Es war im Jahre 1700 nach den Plänen des in Paris geborenen Oberbaudirektors Jean de Bodt (1670-1745) neu errichtet worden. Es ist mit einiger Berechtigung als der Beginn der klassischen Potsdamer Baukunst zu bezeichnen. Das Portal war ursprünglich mit künstlerisch bedeutenden Monumentalplastiken reich geschmückt, die den Bau auch inhaltlich „erklärten“.

Ohne die vier Trophäen auf dem Kuppelgeschoss und die vier Adlergruppen auf dem Galeriegeschoss bleibt eins der wieder gewonnenen Wahrzeichen Potsdams ein Torso. Bei dem Angriff auf Potsdam 1945 wurden die stadtseitigen Plastiken des Portals stark beschädigt, ihre hofseitigen Pendants erlitten kleinere Schäden. Vor der Sprengung des Potsdamer Stadtschlosses 1959/60 gelang es durch mutigen zivilen Ungehorsam, zahlreiche Originalteile zu retten und zu bergen, darunter auch Teile der Skulpturen des Fortuna Portals.

Restaurierung

Die in der Obhut der SPSG lagernden Originalteile des Potsdamer Stadtschlosses sind von der Schlösserstiftung katalogisiert und größtenteils zugeordnet worden. Die vom Verein Potsdamer Stadtschloss e.V. zum Ziel gesetzte Restaurierung, Ergänzug, Wiederherstellung des Skulpturenschmucks des Stadtschlosses erfolgt grundsätzlich in mehreren Schritten und immer mit fachlicher Begleitung.

Im Fall der jetzt anstehenden Trophäe vom Fortunaportal gelang dem Bildhauer und Restaurator Eduardo Strauch ein zusätzlicher Kombinationserfolg im „Stadtschlosspuzzle“, so dass die neue Trophäe noch mehr ursprüngliche Originalsubstanz als ursprünglich vermutet enthalten wird. Strauch hat die Originale zusammengefügt, nach allen verfügbaren Unterlagen im Sinne des Originals ergänzt. Dieses jetzt fertig gestellte Kunstwerk dient als Modell für die Umsetzung in Postaer Sandstein im Maßstab 1:1, gleichfalls dem ursprünglichen Material. Alle Arbeitsschritte werden dankenswerterweise von den Mitarbeitern der Skulpturenabteilung der SPSG fachlich betreut.

Monumente des Völkerrechts und Aufforderung zum Besseren

Alle Skulpturen bearbeiteten ein Thema, das weit in die klassische Antike hineinreichte. Trophäen waren dem Göttervater geweiht, dem Zeus Trophaios, Monumente, die dem „Wender“ des Feindes zur Flucht am Ort des Sieges aus den Waffen der Besiegten errichtet wurden. der Besiegten errichtet wurden.

Aber ein Monument zur Verherrlichung militärischer Siege war das Fortunaportal nicht. Trophäen wurden am Ende der Schlacht, im Moment des Einzugs des Friedens errichtet. Sie waren eben keine „Beutekunst“. Da es bei völkerrechtlichen Abmachungen in der Regel an einer Macht fehlt, die deren Erfüllung und Einhaltung durchsetzt, war für das antike Denken Griechenlands eine sakrale Bindung solcher internationaler Verträge besonders wirksam. Daher wurden Trophäen dem Göttervater Zeus geweiht. Sie sind Symbole aus einer Zeit, in der die Fundamente der abendländischen Zivilisation gelegt wurden, erste Zeichen für das Nachdenken über ein geregeltes, zivilisiertes und humanes Miteinander der Parteien, Gruppen und Staaten. Trophäen durften nicht entfernt werden, auch diejenigen der Unterlegenen mussten geachtet bleiben. Wer Trophäen der Unterlegenen schändete oder gar zerstörte, verging sich frevelhaft an Gott selbst und den allgemeinen menschlichen Werten der Zivilisation. Trophäen, auch diejenigen am Fortunaportal, sind Monumente des Völkerrechts, das durch die Bindung an die höchste göttliche Macht allgemeine Gültigkeit und Dauer erhielt.

Ohne die Trophäengruppen, die ja auch für das überwundene Schlechtere Stehen, ist dieser Triumph der freundlichen Fortuna nicht komplett. Nur mit allen Skulpturen wird das Fortunaportal wieder, in die heutige Sprache übersetzt, das, was es war. Ein Erinnerungszeichen an eine menschliche Möglichkeit: den Wandel zum Besseren.

https://www.youtube.com/user/MrPotsdamfan/videos 

Maße der Trophäen (gerundet):
2, 10 m x 1,20 m x 2, 51 m
Gewicht 5, 5 Tonnen, Raumvolumen ca. 6, 5 Kubikmeter
Dr. Hans-Joachim Kuke

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