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Der Stadtschlossverein verkauft den prächtigen Torbogen als ungewöhnlichen Tannenschmuck

Donnerstag, 29.11.2012

Der Stadtschlossverein verkauft den prächtigen Torbogen als ungewöhnlichen Tannenschmuck

Es darf wohl als extravaganter Christbaumschmuck gelten: Vor allem Freunde des historischen Potsdam, emsige Barockliebhaber und nahe Verwandte des einstigen Stifters Günther Jauch werden den unbändigen Drang verspüren, sich das Fortunaportal an die heimische Nordmanntanne hängen – zumal es mit 16 Zentimetern Höhe und einer Grundfläche von neun mal neun Zentimetern eines recht großen Baumes bedarf, um nicht etwas überrepräsentiert zu wirken. Immerhin ist das gold- und silberbestäubte Fortunalportal federleicht: Dank modernster Technik und Außenmauern aus feinstem Glas wiegt das – in den Proportionen nicht originale, weil deutlich zu dicke – Baumelportal nur wenige Gramm. Verkauft wird es vom Stadtschlossverein, der 20 Euro pro Stück verlangt und den auffälligen Baumschmuck in der Blauen Box am Alten Markt, auf dem Sinterklaas- und dem Böhmischen Weihnachtsmarkt sowie über seine Internetseite anbietet. Im Falle einer Onlinebestellung kommen allerdings noch einmal sieben Euro Versandkosten hinzu.

„Das ist nicht eben preiswert“, weiß auch Stadtschloss-Vereins-Chef Michael Schöne. Doch rund die Hälfte des Erlöses werde in die Wiederbeschaffung und Restaurierung des originalen Figurenschmucks des Stadtschlosses investiert, sagt er. Seit einiger Zeit sammelt der Verein Spenden für diesen Zweck, unter anderem auch mit Kalendern, die historische Stadtfotos oder Simulationen der wiederrichteten Alten Mitte zeigen. Zum anderen sei der hohe Preis der aufwändigen Herstellung in Handarbeit geschuldet, ergänzt Justin Reddig, Designer des Glitzerportals. Reddigs Firma „Reddig Creations“ hat auch Christbaumschmuck in Form des Brandenburger Tores in Berlin und des Reichstags im Angebot. Er könnte sich für die folgenden Jahre auch etwa die Garnisonkirche, die Nikolaikirche oder das Alte Rathaus vorstellen, sagt Reddig.

Rund 36 Stunden Handarbeit – inklusive Trocknungszeit – steckten in jedem Stück, so der 22-jährige Jungunternehmer auf die Frage nach dem recht hohen Preis. Im Prinzip werde das Portal wie eine hochwertige Weihnachtsbaumkugel hergestellt, nur sei es durch die besondere Form deutlich aufwändiger: Nach einer Grundzeichnung werde eine Plastelineform erstellt, die wiederum als Modell für einen Guss aus hauchdünnem Glas diene. Schließlich trage man einen Anstrich aus Flüssigsilber auf, der die Brillanz erhöhe. Am Ende werde dann mit Speziallacken in mehreren Lasuren die Feinarbeit gemacht und das Dach sowie der gesamte Unterboden mit Gold sowie die Kuppel mit Silber bestreut, bevor die Stücke dick verpackt nach Potsdam gesendet werden.

500 Exemplare verkauft der Stadtschlossverein, mehr nicht wegen der Exklusivität. Nachbestellungen sind daher nicht möglich. Falls also ein Stadtschlossfan seinen gesamten Baum mit 30 Fortunaportalen schmücken will, müsse er sich beeilen, so der Verein. Das allerdings würde auch 600 Euro kosten.

MAZ vom 27.11.2012, von Jan Bosschaart)

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