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Die Dachfrage

 

Die Dachfrage

Kupfer oder Zink? Für das Dach des Potsdamer Landtagsschlosses wird diese Frage akut. Der Schlossverein baut auf ein Kupferdach - der Zink-Verband weist Vorwurf der kürzeren Haltbarkeit zurück.

Die Zeichen mehren sich, dass das Landtagsschloss am Alten Markt künftig von einem Kupfer- statt von einem Zinkdach gekrönt wird. Michael Schöne, Chef des Stadtschlossfördervereins, entwarf am Donnerstag mehrere Szenarien, um dieses Ziel zu erreichen. Bekanntlich hat sich der Verein gegenüber dem Land verpflichtet, die Mehrkosten für Kupfer in Höhe von rund 400 000 Euro zu übernehmen.

Es gebe „einige Großspender, die damit kokettieren, die Summe selbst aufzubringen“, sagte Schöne gegenüber den PNN. Um in ernsthafte Verhandlungen einzusteigen, müsse aber erst ein konkretes Angebot vorliegen, mahnte Schöne. Die BAM, die den Landtag in öffentlich-privater Partnerschaft für das Land Brandenburg baut, hatte zunächst ein günstigeres Zinkdach eingereicht, nach zunehmenden Protesten aus der Bürgerschaft aber auch ein Kupferdach ausgeschrieben, wie es auch das historische Stadtschloss zierte. Die Frist zur Angebotsabgabe läuft Ende August ab.

Schöne erklärte, es sei schwierig, für ein Kupferdach Spender zu finden, weil es nicht wie beispielsweise Skulpturen klassische Kunstmäzene anspreche. Dennoch gebe es einige ernsthafte Interessenten. An Kleinspenden sei bislang eine sechsstellige Summe eingegangen.

Schöne sieht allerdings vor allem das Land in der Pflicht – gegenüber dem Steuerzahler. Zink sei weniger lange haltbar als Kupfer und müsse im Durchschnitt dreimal so oft repariert werden, sagte der Vereinschef. Bei Kosten von knapp zwei Millionen Euro für eine Neueindeckung würde das Land demnach mit Kupfer langfristig vier Millionen Euro sparen.

Beim Land zeigt man sich davon unbeeindruckt: Der Verein sei bislang nicht mit einer Forderung an das Land herangetreten, sagte Thomas Vieweg, Sprecher des Finanzministeriums, den PNN. In der per Landtagsbeschluss abgesegneten Variante sei nur das Zinkdach enthalten, betonte er. Gleichwohl gelte die geschlossene Vereinbarung: Wenn der Stadtschlossverein die Mehrkosten übernimmt, bekommt der Landtag ein Kupferdach. Angaben zu bisher eingegangenen Angeboten machte Viehweg mit Verweis auf die laufende Ausschreibung nicht.

Als dritte Möglichkeit, Kupfer statt Zink zu bekommen, sieht Schöne die laufenden Nachtragsverhandlungen zwischen Land und BAM. Wie berichtet macht letztere bereits 15 Millionen Euro Mehrkosten für den Neubau geltend, die etwa mit einem verzögerten Baustart durch archäologische Grabungen, Denkmalschutzauflagen und Mehraufwand für die Grundwasserabsenkung begründet wurden. Wenn sich das Land zu einer Nachzahlung an die BAM bereiterkläre, könne es „denen dafür auch das Kupferdach aufs Auge drücken“, sagte Schöne.

Die von Schöne ins Feld geführten Vorteile des Kupferdaches sieht der Interessenverband „Initiative Zink“ allerdings nicht bestätigt: Zink- und Kupferdächer hätten gleichermaßen Haltbarkeiten von mehr als 50 Jahren, erklärte Sabina Grund mit Verweis auf Zahlen des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Zinkdächer seien zudem entgegen Schönes Behauptung „über ihre lange Lebensdauer hinweg wartungsfrei“. Als Referenzbauten mit Zinkdächern führt Grund unter anderem das Hotel d’Louvre in Paris, das Prinzregententheater in München und den Aachener Elisenbrunnen an.

Identisch sei die Lebensdauer beider Materialien aber nur, wenn man die Nutzungsdauer eines modernen Gebäudes – 50 bis 100 Jahre – zugrunde legt, sagt indes Birgit Schmitz vom Berufsverband Deutsches Kupferinstitut auf PNN-Anfrage. Für den Wiederaufbau eines historischen Gebäudes, das diese Lebensdauer „hoffentlich doch um ein Vielfaches überschreiten wird“, sei Kupfer die bessere Wahl: Kupferdächer hätten laut Studien der Schweizer Materialprüfungsanstalt EMPA eine Lebensdauer von durchschnittlich 200 Jahren. Bei „fachgerechter Verlegung“ könnten sie sogar mehrere Jahrhunderte halten, sagt Schmitz mit Verweis auf den Hildesheimer Dom, dessen Kupferdach teilweise 800 Jahre alt sei.

Das Material sei hoch beständig gegenüber aggressiven Umwelteinflüssen, Tauwasser und Witterung und damit „so gut wie wartungsfrei“. Weder Reinigung noch Korrosionsschutz seien erforderlich – die Patina des Metalls wirke als stabile Schutzschicht. Zudem besitze Kupfer die höchste Bruchdehnung aller Baumetalle und lasse sich gut verarbeiten.

PNN vom 29.07.2011, von Jana Haase und Peer Straube

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