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Doch Kupfer fürs Stadtschloss-Dach

 
Stadtschloss-Verein bezahlt Mehrkosten im Vergleich zu Zinkdach aus Spenden

Innenstadt - Grünes Licht für grüne Dächer am Alten Markt: Die Nikolaikirche hat ein Kupferdach, das Alte Rathaus ebenso – und mit guter Wahrscheinlichkeit wird auch das Dach des künftigen Landtages in der Gestalt des historischen Stadtschlosses einmal den ästhetisch ansprechenden Grünspan ansetzen. Das brandenburgische Finanzministerium und die Baufirma BAM Deutschland prüfen derzeit, wie hoch die Mehrkosten sind, wenn die BAM ein Kupferdach anstelle des bislang vorgesehenen Zinkblech-Daches beim Bau des Schlosses installieren würde. Die Kostendifferenz zwischen einem Zink- und einem Kupferdach müssen durch eine Ausschreibung ermittelt werden, bestätigte gestern die Sprecherin des Finanzministeriums, Ingrid Mattern, auf PNN-Anfrage.

Diese Mehrkosten für das Kupferdach werden vom Potsdamer Stadtschloss-Verein durch Spenden aufgebracht, wie der Vereinsvorsitzende Michael Schöne den PNN gestern sagte. Eine erste Anzahlung zur Finanzierung der Dach-Ausschreibung über 25000 Euro habe er bereits am Dienstag dieser Woche überwiesen, so Schöne: „Wir haben damit die Ernsthaftigkeit unseres Anliegens bewiesen.“ Schöne nannte die Gespräche, die er derzeit mit Finanzministerium hinsichtlich der Frage des Dachmaterials führe „positiv und konstruktiv“. Der Ministeriumssprecherin Mattern zufolge werden die Kosten für die Dach-Ausschreibung zu jeweils einem Drittel vom Bauherrn Land Brandenburg, der BAM und dem Stadtschloss-Verein getragen. Die Sprecherin bestätigte, dass es sich bei den 25000 Euro vom Stadtschloss-Verein um den Kostenanteil für die Ausschreibung handelt.

Die BAM Deutschland und der aus Dresden stammende Architekt Peter Kulka waren mit dem preiswerteren Zinkdach in den Wettbewerb um den Bau des neuen Potsdamer Landtages gegangen und hatten gewonnen. Seitdem wurden in der Potsdamer Bürgerschaft jedoch zunehmend Stimmen laut, die aus Rücksicht vor der Anmutung des Gesamtensembles Alter Markt ein Kupferdach fürs Stadtschloss fordern.

„Wir können uns Kupfer gut vorstellen“, erklärte gestern Hendryk Urbanietz vom Architekturbüro Kulka in Köln. Zunächst sei aus Kostengründen Zink als Dachmaterial angeboten worden. „Kupfer ist viel teurer“, so der Architekt. Allerdings wünscht sich Urbanietz eine schnelle Entscheidung, da bei einem Wechsel von Zink auf Kupfer umgeplant werden müsse. So seien Aluminium-Fenster in den Dachschrägen vorgesehen. Aluminium vertrage sich gut mit Zink, jedoch nicht mit Kupfer; es müsse vom Kupfer des Daches abgekapselt werden.

Indes kursieren in Potsdam bereits jetzt zwei Zahlen über die Höhe der Kostendifferenz zwischen einer Zink- oder einer Kupferdach-Variante: Der Potsdamer Architekt Bernd Redlich hat Mehrkosten für das Kupferdach in Höhe von 230 000 Euro errechnet. Die BAM, so Ministeriumssprecherin Mattern, habe einmal die Summe von 600 000 Euro genannt. Wie hoch die realistischen Mehrkosten nun wirklich sind, soll durch die Ausschreibung ermittelt werden. Vereinschef Schöne erklärte, ihm sei wichtig, dass eine verlässliche Obergrenze für die Mehrkosten ermittelt wird.


PNN vom Donnerstag, 15.07.2010

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