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Ein Grundstein für Potsdams historische Mitte

 

Ein Grundstein für Potsdams historische Mitte

Ein Fest mit handverlesenen Gästen für das neue Landtagsschloss –
Potsdam-Mäzen Plattner kommt

Das Herz der historischen Mitte Potsdams beginnt wieder zu schlagen: Mit mehr als einem halben Jahr Verzug wird heute auf dem Alten Markt der Grundstein für den Landtagsneubau in den Fassaden des früheren Stadtschlosses gelegt. Damit schließt sich nach Jahrzehnten eine tiefe Wunde, die die SED-Oberen 1960 mit dem Abriss der im Bombenhagel von 1945 stehen gebliebenen Grundmauern in der Stadt hinterlassen hatten.
Die Zeremonie ist für Potsdam und Brandenburg bedeutend. 400 Gäste sind geladen. Mit Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), Finanzminister Helmuth Markov (Linke), die beide sprechen werden, und weiteren Ministern kommt das halbe Kabinett. Auch der Gründer des Software-Riesen SAP und Potsdam-Mäzen Hasso Plattner hat sein Kommen zugesagt. Dessen Spende von 20 Millionen Euro hatte den Ausschlag für den Landtag gegeben, 2009 den Neubau in den Formen des Preußenschlosses zu beschließen.
Der Wiederaufbau bewegt die Potsdamer seit mehr als einem Jahrzehnt, die Stadt hat heftige Debatten hinter sich. Den entscheidenden Anstoß hatte der TV-Journalist Günther Jauch gegeben, 3,5 Millionen Euro spendete er für das 2002 fertig gestellte Fortunaportal.
In der neuen Fassade sollen auch rund 600 erhaltene Bauteile verbaut werden, die von wütenden Bürgern 1960 beim Abriss gerettet worden waren.
Unter den erhaltenen Stücken sind Originalskulpturen und Fragmente.
Über die Rückkehr von acht Attikaskulpturen, die seit 1966 auf Hauptgebäude der Humboldt-Universität in Berlin stehen, wird noch verhandelt. Insgesamt 150 Postamente sind für Figuren und Vasen geplant. Um die einst 76 Attika-Figuren komplett zu machen, hofft das Land auf private Spender. Der Potsdamer Stadtschlossverein sammelt bereits emsig für ein originalgetreues Kupfer-Dach und neue Skulpturen.
Es wird also noch Jahre dauern, bis die Fassade komplett ist. Auch wann das Parlament den Neubau bezieht, den der Baukonzern BAM in einer umstrittenen Öffentlich-Privaten Partnerschaft (ÖPP) für 120 Millionen Euro errichtet, ist unklar.
Nach dem ersten Spatenstich vor knapp einem Jahr und Arbeiten am Fundament sollte der Grundstein schon im August 2010 gelegt werden. Allerdings gab es Probleme mit unsicherem Baugrund, die archäologische Untersuchung fiel aufwändiger aus. Inzwischen sind Mehrkosten von 15 Millionen Euro aufgelaufen, das Landes-Finanzministerium macht die Stadt für den Bauverzug verantwortlich, droht dem Rathaus mit Schadensersatzklage. Dabei ging es monatelang auch um Schäden am Fortunaportal, dem Symbol für den Wiederaufbau. Das Fundament drohte abzurutschen, das Portal musste im Sommer eiligst abgestützt werden.
Auch die Grundsteinlegung ist von Streit überschattet. Der Stadtschlossverein hätte gern selbst eigene Schriftstücke neben Münzen, Tageszeitungen und Bauplänen in die Grundstein-Hülse gelegt, das Ministerium lehnt das ab. Vereinschef Michael Schöne glaubt, Finanzminister Markov passten die Inhalte nicht. Der Verein kritisiert das ÖPP-Verfahren, weil Bürgerbeteiligung kaum möglich sei. CDU-Landtagsfraktionschefin Saskia Ludwig warf Markov gestern „unsensible und ignorante Basta-Mentalität“ und – wegen des Fest-Termins mitten in der Woche für „handverlesene Gäste“ – Bürgerferne vor. „Dem Haus der Demokratie hätte ein Bürgerfest am Wochenende mit allen Engagierten und Beteiligten gut zu Gesicht gestanden.“ Markov verstoße gegen das, was das Stadtschloss in der Stadtmitte „ausstrahlen soll: Offenheit, Bürgernähe und Transparenz“, erklärte Ludwig.
Linke-Stadtverbandschef Sascha Krämer hat dazu einen nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag: Eine Bittstellerlinde, die die Politiker an die Wähler erinnert. „Wie zu Zeiten von Friedrich dem Großen können die Bürger dann ihre Petitionen vorbringen“, so Krämer.

PNN vom 15.02.2011, von Alexander Fröhlich

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