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Erstes Hofkonzert im Stadtschloss

Erstes Hofkonzert im Stadtschloss


Rund 400 Gäste erleben die Open-Air Premiere im Innenhof des neuen Landtages mit den XXL-„Keksdosen“ à la Sanssouci

Von Lothar Krone       MAZ , 10. Juni 2014    

Mitte -Dieser sommerheiße Samstagabend dürfte in die Stadtgeschichte eingehen. Die•Normalität, die das erste Konzert im neuen Stadtschlosshof ausstrahlte, war wohltuend. Keine großen Reden, keine hohen Herrschaften, aber ein stolzer Björn 0. Wiede, Dirigent seiner Neuen Potsdamer Hofkapelle.

Ohne Manuskript und übertriebenes Pathos erklärte der Orchestergründer und Kantor von St. Nikolai vor rund 400 Gasten die mehr als siebzigjährige Konzertpause im Schlosshof für beendet. Restlos ausverkauft war die Premiere nicht. Es gab noch Karten an der Abendkasse, die• nach Besuchermeinung mit rund 50 Euro „ziemlich teuer" waren. Dafür war der Alte Markt mit Cateringständen zur Versorgung der Klassik-Fans bestens bestückt.

Da Politprominenz fehlte, fielen die Protagonisten aus der Kulturszene und von den Wiederaufbauinitiativen um. so mehr ins Auge. Barbara• Kuster (Mitteschön), die Fotografin Monika Schulz-Fieguth (Lustgarten), Grünen-Stadtverordnete Saskia Hüneke und Gatte Andreas, der Kunsthistoriker, sowie Architekt Christian Wendland diskutierten und strahlten bereits, bevor das Konzert begonnen hatte.

„Glücklicherweise fehlen die Grußonkels, die. sonst immer in der ersten Reihe sitzen", kommentierte süffisant ein Konzertbesucher eher das Fernbleiben von Stadt- und Landespolitikern.

Als sich die Menschen noch in ihre Plätze einsortierten, wurde die gelöste Stimmung von würdigem Glockengeläut aus der nahen Nikolaikirche ins Feierliche gehoben. Und so mancher wünschte sich, dass die beiden auf dem Rasen abgestellten überdimensionierten Keksdosen in Sanssouci Anmutung diesen Weckruf genutzt hätten, um taktvoll das Feld zu räumen.

Szenerie und Bühnenaufbau erinnerten an das Foto vor jenem Serenadenkonzert, das Hans Chemin-Petit 1942 an gleicher Stelle dirigierte. Berühmtheiten wie Wilhelm Kempff und Wilhelm Furtwängler führten hier einst ebenfalls den Taktstock.

Das Programm des Abends war eine Hommage an den 28 Jahre am Potsdamer Königshof wirkenden Carl Philipp Emanuel Bach, dessen 300. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird. Wiede ließ dem Jubilar seine bekennenden Schüler, Mozart, Haydn und Beethoven folgen und hatte den international erfolgreichen Trompetensolisten Reinhold Friedlich für Haydns Es-Dur Trompetenkonzert gewinnen können. Friedrich spielte nicht nur virtuos, sondern riss das Publikum mit seiner lebendigen Ausstrahlung komplett mit und erspielte sich nach Haydns Finalsatz eine Zugabe.

Aber auch die Hofkapelle und ihr Dirigent kamen nicht ohne davon, als.das Konzert mit Beethovens 2. Sinfonie unter blauen Nachthimmel und dem hellleuchtenden Halbrund endete. Der lange Schlussbeifall erzwang als Zugabe Franz Schuberts "Italienische Ouvertüre", weil wie Wiede bemerkte, "Potsdam ja auch so viel von Italien hat". Diese mediterrane musikalische Leichtigkeit wohl noch im Ohr, zogen zufriedene Konzertbesucher in Grüppchen plaudernd heimwärts. Die Hofkapelle, das Stadtschloss, der Alte Markt, der Sommer, der Mond und die italienische Romantik aber hatten ihre erste gemeinsame Bewährungsprobe mit Bravour bestanden.

"Mehr Fotos unter www.MAZ-online.de/konzert

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