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Es ist keine Rekonstruktion!

Sehr dankenswerterweise hat es zwischen September 2009 und Januar 2010 Gespräche zwischen dem Finanzministerium und der Fachgruppe von Mitteschön und Stadtschlossverein gegeben. Auf der Grundlage der veröffentlichten Bauplanungen des Landtags, keineswegs aufgrund näherer Planungseinsicht, die nicht gewährt werden konnte, haben die Bürgervertreter seit September 2009 fachlich auf die schwerwiegenden Differenzen des geplanten Neubaus im Vergleich zum Original aufmerksam gemacht.

Nun hat das Finanzministerium selbst öffentlich zugegeben:
„Es ist keine Rekonstruktion“.

An eigentlich allen Parametern des historischen Stadtschlosses sind Änderungen, die „Vereinfachungen“ genannt werden, geplant worden, selbst an der äußeren „Haut“, den Fassaden. Mit den Maßveränderungen im Großen wie im Kleinen wird nun erheblich von der historischen, Knobelsdorff’schen Form abgewichen.
Diese Änderungen wurden bestätigt und mit unabänderlichen Sachzwängen begründet.

Damit fällt in dieser Hinsicht die Rekonstruktion der äußeren Kubatur des Potsdamer Stadtschlosses und seiner Außenfassaden weit hinter diejenige des Berliner Schlosses zurück. Der Bau wird nicht mehr in einem Atemzug mit den großen Rekonstruktionsvorhaben in Deutschland, etwa der Semperoper oder der Frauenkirche oder, noch jünger in Hildesheim, Wesel und Frankfurt am Main genannt werden können.
Architekten, Kunsthistoriker, Denkmalpfleger und die interessierte Fachöffentlichkeit werden all diese „Vereinfachungen“ an den Fassaden, den Dächern, bei der (nur partiellen) Replazierung der Originalteile, dem Wegfall der Skulpturen auf der Innenhofattika und weiteres mehr registrieren.

Es bleibt zu fragen: was ist eigentlich mit der unglaublich großzügigen Privatspende von Prof. Plattner geschehen, die doch eigentlich für die Wiederherstellung der originalen Fassaden gedacht war und die die Zusatzkosten einer handwerklich-denkmalpflegerischen Wiederherstellung gedeckt hätte?

Wozu denn dann das bald ein Jahrzehnt währende Ringen um die äußere Form des Landtages, wenn nun weder das eine noch das Andere entsteht?
Als Bürger ist vor allem eines nicht verständlich und auch nicht zu akzeptieren.

Dieses betrifft die Öffentlichkeit im Schlosshof.
Dieser Schlosshof war immer öffentlich, vom 17. bis ins 20 Jahrhundert sahen die Herrscher „von Gottes Gnaden“ ganz bewusst und vollkommen selbstverständlich das Volk, die Marktweiber und Fuhrleute auf ihrem Weg von der Langen Brücke auf dem Weg zum Alten Markt und zurück. Nur so, nämlich durch mehrere Tordurchfahrten war das Schloss durchlässiger und organischer Teil der Stadt. Nach 1918 fanden z.B. im Schlosshof Sommerkonzerte von internationaler Bedeutung (u.a. Furtwängler, Celibidache) statt.

Aufgrund der jetzt vorliegenden Planungen werden derartige Großveranstaltungen im „Landtagshof“ rechtlich kaum möglich sein.
Die offizielle Begründung der Schließung der Tordurchfahrten, der Wege durch den Hof des zukünftigen Parlaments ist der „Raummangel“: der Platz wird für Büros benötigt.
Um es nun etwas überspitzt zu formulieren: der Bürobedarf eines theoretisch für die Länder Berlin-Brandenburg berechneten Landtages führt dazu, dass das jüngste Parlamentsgebäude nach der Wiedervereinigung Deutschlands zu einer Barriere, zu einem Riegel in der Landeshauptstadt wird, die der Vorgängerbau der Könige von Preußen /deutschen Kaiser nie war. Es ist dann nur eine Notiz am Rande, dass sich beide Landesregierungen bereits mehrfach öffentlich von der Geschäftsgrundlage, nämlich der Fusion beider Länder für die nächste Zukunft distanziert haben.
Es muss doch möglich sein, dem Bauherrn und dem Architekten diese entscheidende Planungsänderung zuzumuten.
Es handelt sich hier nicht um den Bau der US-Botschaft in Bagdad, sondern um das letzte deutsche Landesparlament nach der Wiedervereinigung

Dr. Joachim Kuke,
Stellvertretender Vorsitzender des Potsdamer Stadtschlossvereins

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