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Fenster werden doch barock

 

Fenster werden doch barock

Schuld soll wohl eine Kommunikationspanne gewesen Sein: BAM und Finanzministerium vollziehen beiden Fenstern im Landtagsschloss eine Kehrtwende - sie werden doch barock.

Im Streit um die Fenster für das Landtagsschloss am Alten Markt kehren das Land und die Baufirma BAM zum Schlossoriginal zurück. Alle Fenster des Parlamentsneubaus, der mit der historischen Knobelsdorfffassade errichtet wird, sollen den Vorbildern des Stadtschlosses aus der Zeit um 1912 entsprechen, sagte Ingrid Mattern, Sprecherin des brandenburgischen Finanzministeriums, am Montag den PNN.

Die Kehrtwende kommt überraschend: Noch vor Wochenfrist hatten BAM und Finanzministerium als Bauherr übereinstimmend erklärt, die Fenster für den neuen Landtag würden sich dem Original lediglich „annähern“. So stehe es auch im von beiden Seiten geschlossenen Vertrag. Schuld ist offenbar eine ministeriumsinterne Kommunikationspanne: Die Entscheidung, Nachbildungen der historischen Fenster einzubauen, sei bereits vor längerer Zeit getroffen worden, sagte Mattern. Allerdings habe sie davon in der letzten Woche „noch nichts gewusst“.

Soll das Erscheinungsbild der Fenster einheitlich sein, haben Land und BAM allerdings auch gar keine andere Wahl. Denn zumindest für die dem Alten Markt zugewandte Schlossfassade mit Fortunaportal und Seitenflügeln lässt der Bebauungsplan keinerlei Spielraum: „Fenster, Türen und Toranlagen“, heißt es darin, „sind in Holz herzustellen. Ihr Erscheinungsbild, ihre Teilung sowie ihre Oberflächenbeschichtung haben den historischen Vorbildern aus der Zeit um 1912 zu entsprechen.“ Bei den anderen drei Fassaden hätten andere Fenstertypen verwendet werden dürfen. Doch solle das Erscheinungsbild „einheitlich“ sein, sagte die Ministeriumssprecherin.

Auslöser der Debatte war in der vergangenen Woche die Kritik des renommierten Berliner Fensterbauers Hans Timm. Timm, auf dessen Referenzliste unter anderem die Fenster für das Berliner Schloss Charlottenburg und die Staatsoper Unter den Linden stehen, hatte moniert, in den Landtag würden „08/15“- Fenster eingebaut, die mit dem barocken Vorbild nichts zu tun hätten. Timms Gutachterbüro hatte von der BAM den Planungsauftrag für die Nachbauten der barocken Fenster erhalten. Den Zuschlag für ihren Bau bekam allerdings nicht Timms Fensterbaufirma, sondern ein anderer Anbieter. Timm warf der BAM vor, das Erscheinungsbild des Landtags dem Kostendruck zu opfern. Die Landtagsbaufirma habe den billigsten Anbieter gewählt, der nun seinerseits versuche, Geld zu sparen und das von Timm erarbeitete Fensterkonzept an seine eigene Preiskalkulation „anzupassen“. BAM und Finanzministerium hatten die Vorwürfe zurückgewiesen. Bereits im Juli hatte sich auch der Potsdamer Architekt Bernd Redlich mit einer schriftlichen Kritik an das Finanzministerium gewandt. Darin rügte er das im Sommer in die Musterfassade eingebaute Musterfenster als völlig untypisch für Potsdam. Die Profile der Rahmen etwa seien „reine Fantasieprodukte“ und hätten mit historischen Potsdamer Fenstern „nichts zu tun“. Redlich bat in seinem Brief um entsprechende Korrekturen.

Diese seien nun erfolgt, sagte Mattern. Sinn und Zweck von Musterfassade und Musterfenster seien schließlich gewesen, sich einen ersten optischen Eindruck zu verschaffen und gegebenenfalls Anpassungen durchzuführen.

PNN vom 15.11.2011 von Peer Straube

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