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Festakt für Kupferdach auf Landtagsschloss in Potsdam mit Hasso Plattner / Architekt Kulka hält Wutrede

Mittwoch, 20.02.2013
Eigentlich hätte es eine Dankeschön-Veranstaltung für den Software-Milliardär und Groß-Mäzen Hasso Plattner sein sollen, der dem Landtagsschloss nicht nur seine original barocke Fassade, sondern obendrein auch noch das teure Kupferdach spendiert hatte. Gestern Nachmittag wurde das Kupferdach bei einem Festakt symbolisch fertiggestellt: Ministerpräsident Matthias Platzeck, Landtagspräsident Gunter Fritsch, Finanzminister Helmuth Markov, Oberbürgermeister Jann Jakobs und Mäzen Plattner trieben mit vereinten Kräften die Nägel durch eine Kupferplatte auf dem Dach.

Nägel mit Köpfen machte aber auch Landtagsschloss-Architekt Peter Kulka. Bei einem Wutausbruch vor laufenden Kameras platzte ihm der Kragen. Zielscheibe der Tirade war das Finanzministerium, das sich laut Kulka bei der ursprünglich geplanten Kuppel über dem Treppenhaus des Schlosses querstellt. „Die gewölbte Decke an dieser Stelle soll den Übergang von der barocken zur modernen Architektur anzeigen. Doch nun soll die Kuppel nicht gebaut werden“, so Kulka. Er habe sogar einen Brief aus dem Finanzministerium erhalten mit der klaren Diktion, dass er, Kulka, keinen Auftrag habe, die Treppenhaus-Kuppel zu entwerfen. „In keiner Landeshauptstadt habe ich Verhältnisse wie hier erlebt – das wird diesem Gebäude noch schaden. Diese Art von Ignoranz spottet jeder Beschreibung“, brach es aus dem Schlossarchitekten heraus, der sogar mit Rücktritt drohte: „Der Architekt kann nicht nur fünftes Rad am Wagen sein.“

Das Ministerium bestätigte gestern auf MAZ-Nachfrage, dass tatsächlich zunächst auf die gewölbte Decke verzichtet werden müsse, weil es dadurch zu weiteren Bauverzögerungen kommen würde.

Kulkas Wut richtete sich gestern nicht nur gegen das Land. Auch die Landeshauptstadt bekam ihr Fett weg, indem der Architekt ihr unsensiblen Umgang mit dem Umfeld des Landtagsschlosses vorwarf. Besonders der geplante Eck-Neubau der „Weißen Flotte“ am Neptunbecken im Lustgarten ist Kulka ein Dorn im Auge: „Ich kann nicht verstehen, wie man Fachleuten gestatten kann, den Vorraum des Schlosses zu vermüllen. Eine Katastrophe!“ Auch Plattner sprach das Thema „Winkens-Winkel“ gestern vor versammelter Polit-Prominenz an. Man solle sich die Sache mit dem Eckgebäude am Neptunbassin doch noch mal überlegen, appellierte der Mäzen.

MAZ vom 20.02.2013, von Jürgen Stich und Ildiko Röd

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