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Grundsteinlegung am Alten Markt in Potsdam: Der Hochbau für das Landtagsschloss beginnt

 

Grundsteinlegung am Alten Markt in Potsdam: Der Hochbau für das Landtagsschloss beginnt

Als das Polizeiorchester aufspielte, blinzelte dann doch noch die Sonne durch die Wolken. Das mag ein gutes Zeichen für den Landtagsneubau in Potsdam sein. Gestern erfolgte dafür die Grundsteinlegung. An der Baugrube am Alten Markt wurde eine kupferne Zeitkapsel im Mauerwerk versenkt – gefüllt mit Dokumenten, Münzen und einer Märkischen Allgemeinen vom Tage. Vier Hammerschläge auf dem aufgesetzten Schlussstein symbolisieren die Wünsche für einen erfolgreichen Bau, der nach den Plänen des Dresdner Architekten Peter Kulka entsteht.

„Wir bauen kein Stadtschloss, sondern einen Landtag in historischer Hülle“, sagte Landtagspräsident Gunter Fritsch an die Adresse der Demonstranten, die in geringer Zahl auf Pappschildern vor „spätbarocker Dekadenz“ warnten. Fritsch verwies auf die wechselvolle Geschichte des früheren Potsdamer Stadtschlosses, in dessen Um- und Aufrissen das Parlamentsgebäude errichtet wird. Mit der Entwaffnung der Schlosswachen sei die Monarchie auch in Potsdam 1918 beendet worden. Bis zu seiner Zerstörung 1945 sei das Schloss von der Stadt genutzt worden und diente auch zu Wohnzwecken. Fritsch begrüßte unter den rund 400 geladenen Gästen auch Ingrid Semmrich. Die heute 79-Jährige war mit ihrer Familie die letzte Bewohnerin des Stadtschlosses.

Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) betonte, dass Potsdam seine historische Mitte zurück bekomme. „20 Jahre Träume, Wünsche und Hoffnungen von vielen werden nun gekrönt.“ Es sei ein gutes Zeichen, dass die Landtagsabgeordneten von ihrem Domizil auf dem Brauhausberg in die Stadt zögen – „auf Augenhöhe mit den Bürgern“.

Die Abgeordneten hatten im Mai 2005 den Neubau am Alten Markt zwischen Nikolaikirche und Havel beschlossen. Seit 1991 sitzt das Parlament in der früheren Königlichen Kriegsschule und späteren SED-Bezirksleitung, im Volksmund „Kreml“ genannt. Das Gebäude ist inzwischen marode und erfüllt nicht mehr die Ansprüche an einen modernen Landtag.

Platzeck dankte vor allem zwei Großspendern, die sich um den Wiederaufbau des Schlosses verdient gemacht haben. Die „Initialzündung“ sei vor zehn Jahren von Günther Jauch ausgegangen. Der TV-Moderator und Wahl-Potsdamer hatte mit einer Millionenspende den Wiederaufbau des Fortuna-Portals ermöglicht. Damals hatten viele schon die Hoffnung verloren, dass es mit dem Bau noch etwas wird, so Platzeck. Der SAP-Gründer und Mäzen Hasso Plattner habe schließlich mit seiner 20-Millionen-Euro-Spende dafür gesorgt, dass das Schloss eine originalgetreue Nachbildung der Knobelsdorffschen Barockfassade erhält und kein schmuckloser Betonbau wird. Plattner – bei der Grundsteinlegung selbst zugegen – erklärte, „die Menschen werden sich noch in 50 Jahren an der Schönheit des Schlosses erfreuen“.

Überschattet wurde die Grundsteinlegung von einer Debatte über die Organisation des Festakts. Die Landtagsopposition und der Stadtschlossverein hatten sich ein Bürgerfest für alle Potsdamer gewünscht und dem zuständigen Finanzminister Helmuth Markov (Linke) Ignoranz vorgeworfen. Es seien nur „handverlesene Gäste“ eingeladen worden. Das werde der nötigen Transparenz des Parlamentsbaus nicht gerecht. Landtagspräsident Fritsch wies Kritik am Ablauf zurück. Man habe sich an die üblichen Regeln gehalten. Der Vorstandschef des bauausführenden Bam-Konzerns, Alexander Naujoks, verwies auf die Sicherheitsbestimmungen, die eine Öffnung der Baustelle für noch mehr Gäste unmöglich gemacht hätten. Grünen-Fraktionschef Axel Vogel erklärte, der Alte Markt hätte als Festplatz einbezogen werden können.

MAZ vom 17.02.2011, von Volkmar Krause

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