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Hasso Plattner über seine Liebe zu Potsdam

 

Hasso Plattner über seine Liebe zu Potsdam

Ohne Hasso Plattner wäre der Landtagsbau
ein weiteres Potsdamer Experiment der Moderne.

MAZ: Herr Plattner, 20 Millionen für die historische Fassade, auch Milliardäre verschenken nicht oft so viel...

Hasso Plattner: Ich habe mich gefragt, warum kriegen es die Potsdamer nicht so hin wie die Dresdner, der Stadt ihre Geschichte zurückzugeben. Das Geld sei nicht da, hieß es. Auf Matthias Platzecks Rat habe ich mit Rainer Speer telefoniert. Ich zahle die Hälfte der Mehrkosten, die zweite Hälfte kommt von den Bürgern, habe ich vorgeschlagen.

Und...?

Plattner: Speer hat gelacht und gesagt, das wird doch nichts. Ganz oder gar nicht.

Sie haben sich für das Ganze entschieden.

Plattner: Ich habe überlegt, was die Leute in 50 Jahren über unsere Entscheidungen sagen. Der Abriss durch die SED war falsch, aber nicht mehr zu ändern, aber man muss ja nicht etwas Falsches bauen, das dann Jahrhunderte steht. An diesem Schloss ist alles richtig: Anders als in Berlin, gibt es Nutzer, die meisten Potsdamer wollen das alte Zentrum.

Hätten Sie nach ihrer Spende mehr Dank und weniger Kleingeist erwartet?

Plattner: Es geht offenbar nirgends ohne Kleingeist. Ich komme aus einer kleineren Stadt bei Konstanz und weiß, wovon ich rede. Vielleicht gibt es diesen Kleingeist sogar in Dresden, und wir sehen ihn von weitem nur nicht.

Warum eigentlich Potsdam? Jede Stadt hätte die Schlossmillionen oder ein Software-Institut gut gebrauchen können.

Plattner: Ach, die Liebe zum Havelland ist einfach angeboren. Ich war vier, als ich mit Vater und der H-Jolle mit Klappmast unter der Brücke der Einheit durch nach Potsdam gesegelt bin. Nach 1949 durfte man das nicht mehr, aber es war etwas hängengeblieben, so ein Flash, ein vager Eindruck vom Griebnitzsee.

... wo Sie vor zwei Jahren die Churchill-Villa gekauft haben. Ein Schlosskritiker hat Ihnen gerade vorgeworfen, Sie zahlen für das Schloss nur, damit Sie eine Baugenehmigung für Ihr Bootshaus bekommen.

Plattner: Ein Riesenunsinn. Selbst als ich die Stadt wegen der verweigerten Genehmigung verklagen wollte – die Chancen hätten fünfzig zu fünfzig gestanden – wäre ich nie auf die Idee gekommen, solche Zusammenhänge herzustellen. Der Oberbürgermeister hatte mich damals gefragt, ob ich meine Investitionen zurückziehe. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, habe ich geantwortet.

Sperranrainer haben Bootshäuser gebaut, Sie durften nicht. Ist die Wut verraucht?

Plattner: Ich verstehe jetzt, warum es noch nicht ging. Ich warte auf den neuen Bebauungsplan.

Ist noch Geld übrig, um der Stadt beim 14 Millionen Euro teuren Uferweg zu helfen?

Plattner: Wenn ich es mir mit meinen Nachbarn verderben will, tue ich genau das. Man hat sich da verrannt. Damit müsst ihr hier leben, ich bin ja kein richtiger Potsdamer. Die Bundesrepublik wäre jedenfalls weiter, wenn alle nur solche Probleme hätten.

Dann übernehmen Sie lieber die neuen Nachforderungen des Schlossbaukonsortiums?

Plattner: Hören Sie (lacht), ich bin doch kein Goldesel.

MAZ vom 17.02.2011, mit dem SAP-Gründer sprach Volkmar Klein.

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