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Kritik zur Grundsteinlegung / Kuke: Besser wäre ein Volksfest

 
Mit kritischen Worten zur Kostenexplosion beim Bau des Landtages am Alten Markt begleiten die Bürgerinitiative „Mitteschön“ und der Verein „Potsdamer Stadtschloss“ die heutige Grundsteinlegung. Das Landesfinanzministerium hatte zuvor die Bitte abgelehnt, vereinseigene Schriftstücke mit in die Grundsteinkartusche zu legen. Zur Zeremonie um 13.30 Uhr eingeladen hat man die Kritiker zwar, aber „reichlich spät“, findet Hans-Joachim Kuke vom Schlossverein: „Zehn Tage vorher ist knapp“, sagte er gestern. „In unseren Vereinen arbeiten nur Ehrenamtler, die sonst feste Berufe haben und nicht immer Zeit für solche Veranstaltungen. All die Offiziellen kommen beruflich und werden dafür bezahlt.“ Die Öffentlichkeit sei beim Termin mittags an einem Werktag fast ausgeschlossen, ärgert sich Kuke: „Wir hätten lieber Samstagmittag ein Volksfest veranstaltet. Das wird doch ein Haus der Demokratie!“
Die Vereine werfen dem Landesfinanzministerium und dem Landtag als Bauherren vor, den Kostenaufwuchs von 120 auf 135,4 Millionen Euro selbst provoziert zu haben. Ein Großteil der Kosten wäre vorab zu vermeiden gewesen, hätte man das Wissen einheimischer Experten genutzt. Wenn jetzt die Risiken des Baugrundes als kostentreibend und bauverzögernd angeführt werden, ist das nach Ansicht von Architekt Christian Wendland der Nichtbeachtung bestehender Kenntnisse zuzuschreiben. Schon seit dem gescheiterten Theaterneubau aus der Endzeit der DDR und dem Bau des Interhotels 1969 (heute Mercure) wisse man von Torflinsen, Grundwasserproblemen und dem Salzaufstieg. Die Risse im Fortuna-Portal wären durch eine vorherige Stabilisierung der Fundamente vermeidbar gewesen und seien Folge der Missachtung von Bauregeln.
Mindestens zehn Millionen Euro hätte man sparen können, wenn man dem Vorschlag gefolgt wäre, Landtagsbüros in Nachbargebäude auszulagern, falls es zur Länderfusion mit Berlin kommen sollte und die Abgeordneten eines gemeinsamen Parlamentes in Potsdam untergebracht werden müssten, so die Kritiker. Was beim Bundestag in Berlin möglich war, hätte auch in Potsdam möglich sein können, heißt es.
Auch für die Tiefgarage und die Schlossfundamente hätten Vorschläge auf dem Tisch gelegen, die missachtet worden seien. Die Vereine fordern mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung am Bauverfahren. Der Baubeirat des Landtages müsse um Abgeordnete, Potsdamer Verwaltungsexperten und Fachleute der Vereine erweitert werden.

MAZ vom 16.02.2011, von Rainer Schüler

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