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Kupferdach kostet 1,6 Millionen mehr

 

Kupferdach kostet 1,6 Millionen mehr

Während der neue Landtag in Gestalt des Potsdamer Stadtschlosses zunehmend Gestalt annimmt, erhielt der Stadtschlossverein nun schlechte Nachrichten: 1,6 Millionen Euro soll ein Kupferdach mehr kosten. 14 Tage habe der Verein nun Zeit, das Geld zu überweisen, ansonsten werde mit Zink gebaut.

Die Befürworter eines Kupferdaches für das Potsdamer Landtagsschloss müssen einen herben Dämpfer hinnehmen: Um 1,6 Millionen Euro teurer soll ein Kupferdach im Vergleich zu einem Dach aus Zink sein, teilte das brandenburgische Finanzministerium und die Baufirma BAM gestern in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit. „Das hat die BAM in einer Ausschreibung ermittelt“, erklärte Ministeriumssprecher Thomas Vieweg gestern auf PNN-Anfrage. Der Stadtschlossverein, der sich bereit erklärte, die Kupfer-Mehrkosten aus Spendengelder zu tragen, habe nun 14 Tage Zeit – bis zum 9. September – das Geld zu überweisen, ansonsten würde ein Zinkdach in Auftrag gegeben. Diese Fristsetzung erfolge, da die Angebote der Dachdeckerfirmen befristet seien. Zudem würde ansonsten eine Verzögerung im Bauablauf eintreten, sagte der Sprecher.

Er sei „überrascht“ von der Höhe der Kupfer-Mehrkosten, die vier Mal höher sind als vom Stadtschlossverein veranschlagt, erklärte Vereinsmitglied Hans-Joachim Kuke in einer ersten Reaktion. Der Stadtschlossverein hatte selbst mit Mehrkosten von lediglich etwa 400 000 Euro gerechnet. Verärgert reagierte der Vereinsvorsitzende Michael Schöne. Er habe von der Millionen-Summe erst am Tag zuvor per E-Mail erfahren. Einfach so „eine komplette Zahl an den Kopf geworfen zu bekommen“ widerspreche „sämtlichen Verabredungen“ mit dem Finanzministerium. Am 27. Juli habe es eine Sitzung mit Mitarbeitern des Ministeriums und der BAM gegeben, bei der dem Verein zugesagt worden sei, er könne zunächst die Ausschreibungsergebnisse sichten und habe dann einen Monat Zeit, das Geld zu beschaffen. Schöne zufolge gebe es Großspender mit der Bereitschaft, die Kupfermehrkosten zu übernehmen – unter der Voraussetzung, das Verfahren ist transparent. „Wir wollen Einsicht in alle Angebote und wir wollen einen Monat Zeit“, insistierte der Vereinsvorsitzende. Er habe den Eindruck, der Verein solle „abgewimmelt“ werden.

Sprecher Vieweg zufolge habe der Verein lediglich die Möglichkeit, jeweils das preisgünstigste Angebot für Zink und für Kupfer einzusehen. Über die Zahl der Angebote könne er keine Angaben machen. Konkret gehe es um 4000 Quadratmeter Dachfläche sowie um Fassaden- und Fensterbankverkleidungen, die wegen der Verträglichkeit aus demselben Material sein müssten wie das Dach.

Schöne zufolge kenne das Ministerium bereits seit dem 29. Juli alle Angebote. Es sei ihm unverständlich, dass der Verein nicht früher informierte wurde. Vieweg bestreitet dies: „Die abschließenden 1,6 Millionen kennen wir erst seit dieser Woche.“

Die Ausschreibung um den Bau des neuen brandenburgischen Landtages in Gestalt des historischen Potsdamer Stadtschlosses hatte die BAM und der Architekt Peter Kulka mit einem Zink-Dach-Angebot gewonnen. Zink ist preiswerter, Kupfer wird von seinen Befürwortern als haltbarer und wegen der späteren Grünspan-Patina als ästhetischer angesehen. Auch die benachbarte Nikolaikirche verfügt über eine Kuppel aus Kupfer.

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