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Landtag lehnt Geschenke für das Potsdamer Stadtschloss ab

Donnerstag, 11.10.2012

Landtag lehnt Geschenke für das Potsdamer Stadtschloss ab

Die beiden Bronzeglocken, eine größer als die andere, warten nur noch auf den Abtransport nach Potsdam. Sie wurden kürzlich in der Kunstgießerei Lauchhammer in der Niederlausitz gegossen. Geht es nach Erik von Grawert-May, der beide Glocken in Eigenregie anfertigen ließ, sollen sie das leere Obergeschoss des Fortunaportals am künftigen Landtagsgebäude in Potsdam füllen.
Das sei keine Konkurrenz zu Günther Jauch, den Portalsponsor, sondern „nur eine Ergänzung“, sagt von Grawert-May (68), der sich als Sponsor „Erik von Senftenberg“ nennt. Beide Glocken – Wert etwa 50.000 Euro – bot der Unternehmer, der lange Zeit in Senftenberg wohnte und an der dortigen Hochschule Professor für Unternehmensethik war, dem Landtag als Geschenk an.
Doch der ist davon weniger begeistert als der Spender hoffte, der vom Verein Potsdamer Stadtschloss unterstützt wird. Das Angebot war für Landtagspräsident Gunter Fritsch und seine Verwaltung Anlass, eine Grundsatzentscheidung zu treffen. Danach kommen generell Schenkungen von historischen Gebäudeteilen oder Erinnerungsstücken für den neuen Landtag nicht in Betracht, wie es in einem Papier steht, das der MAZ vorliegt. Darin wird auf Beschlüsse des Landtags verwiesen, wonach die Gestaltung des Innenhofs und des Gebäudeinneren dem Ziel eines funktionsfähigen Landtags unterzuordnen sei. Weiter wird auf die Geschichte verwiesen: Da sich die historische Fassade an der von Knobelsdorff des Jahres 1744 orientiert, würden sich Hinzufügungen aus anderen Epochen der Schlossgeschichte verbieten, so die Landtagsverwaltung. Und das gelte auch für die Glocken Erik von Senftenbergs, die dieser „Toleranzglocken“ nennt.
Mit diesem Votum dürfte sich in Potsdam ein heftiger Streit anbahnen – auch über die Glocken. Der Stadtschlossverein reagierte gestern auf die Absage empört. „Das ist ein starkes Stück“, sagt Ulrich Zimmermann vom Verein. Er habe kein Verständnis, dass eine solche großzügige Spende abgelehnt werde. „Wir werden das nicht hinnehmen“, kündigte er an.
Landtagspräsident Fritsch begründete in einem Schreiben an Erik von Senftenberg seine Entscheidung: Die Glocken seien historisch für den Zeitraum um 1744 „nicht verbürgt“. Er versprach aber, ihm bei der Suche nach einem alternativen Standort für seine Glocken zu unterstützen, betonte Fritsch.
Erik von Grawert-May alias von Senftenberg will am 20. Oktober seine Glocken auf den Alten Markt bringen lassen und sie dort präsentieren. Über die Absage des Landtagspräsidenten sei er nicht enttäuscht, sagte er. Die Begründung allerdings amüsiere ihn. Natürlich habe das Fortunaportal nur am Anfang, als es erbaut wurde, also 1700, über einen Glockenstuhl verfügt, sagte er. Dennoch: Der so hart umkämpften historischen Fassade würden nur zwei, drei Dinge „zur vollkommenen Schönheit“ fehlen: die Glocken. Er freue sich auf die Auseinandersetzung und halte an seinen Plänen in jedem Fall fest. „Ich werde kämpfen wie ein Löwe“, sagte er.

MAZ vom 11.10.2012, von Igor Göldner

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