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Landtag: Noch Angebote für Kupferdach möglich

 

Landtag: Noch Angebote für Kupferdach möglich

Ministeriumssprecher: Noch sechs Wochen Zeit
Stadtschlossverein sucht kurzfristig Spender

Angebote gesucht: Dachdecker-Firmen haben noch etwa sechs Wochen lang die Möglichkeit, bei der Baufirma BAM Angebote für das Kupferdach des neuen Landtags einzureichen. Darauf verwies gestern Thomas Vieweg, Sprecher des brandenburgischen Finanzministeriums, auf PNN-Anfrage.

Die BAM und der Architekt Peter Kulka hatten bei der Ausschreibung des neuen Landtages in Gestalt des Knobelsdorffschen Stadtschlosses ein Angebot eingereicht, dass ein preiswerteres Zinkdach beinhaltet. Vom Stadtschloss-Verein wird jedoch aus ästhetischen und historischen Gründen ein Kupferdach bevorzugt. Nach dem Angebot des Vereins, die Mehrkosten für Kupfer im Vergleich zu Zink aus Spendengeldern zu finanzieren, schrieb die BAM ein Kupferdach aus. Der Stadtschlossverein rechnete mit Mehrkosten von 230 000 Euro, basierend auf einer Berechnung des Architekten Bernd Redlich. Die BAM erwog etwa 600 000 Euro Mehrkosten. Ministeriumssprecher Vieweg erklärte, bislang sei kein derart günstiges Angebot eingegangen, wie es vom Stadtschlossverein angenommen wurde. Ulrich Zimmermann vom Vereinsvorstand erklärte, der Verein gehe mittlerweile von Mehrkosten um die 400 000 Euro aus.

Indes macht der Stadtschlossverein nicht nur auf die ästhetischen Vorteile eines Kupferdaches im Umfeld der bestehenden Kupferdächer von Nikolaikirche und Altem Rathaus aufmerksam. Wie der Vereinsvorsitzende Michael Schöne erklärte, sei die Frage des Dachmaterials „ein handfestes, betriebswirtschaftliches Element“. Ein Zinkdach halte 30 Jahre lang, ein Kupferdach dagegen 90 Jahre. Da die BAM den neuen Landtag im Zuge einer Öffentlich-Privaten Partnerschaft (ÖPP) zunächst 30 Jahre an das Land Brandenburg vermietet, werde das Land bereits kurz nach der Übernahme des Landtages in 30 Jahren in ein neues Dach investieren müssen, sollte es jetzt aus Zink errichtet werden. 1,6 bis 1,8 Millionen koste ein komplettes neues Dach, erklärte Schöne. Aus diesem Grund könne er sich auch eine Beteiligung des Landes an den Kupferkosten vorstellen. Schöne: „Aus Sicht des Steuerzahlers wäre ein Kupferdach die ehrlichere Variante.“ Kupfer halte nicht nur länger, sondern sei weniger wartungsintensiv im Vergleich zu Zink. Als Beispiel nannte Schöne das Neue Palais am Park Sanssouci, dessen Kupferdach nun nach 103 Jahren Bestand erstmals wieder repariert werde. Wie Zimmermann und Schöne erläuterten, werden noch kurzfristig Spender gesucht, um die Kupfer-Variante zu finanzieren. Ministeriumssprecher Vieweg sagte, wenn die Entscheidung zugunsten des Kupferdaches ausfällt, dann müsse die Finanzierung zeitnah stehen.

Landesangaben zufolge errichtet die BAM den Landtag am Alten Markt für 120 Millionen Euro und erhält zusätzlich für 30 Jahre etwa zehn Millionen Euro jährlich für Betrieb und Unterhalt des Landtagsgebäudes.

PNN vom 12.07.2011, von Guido Berg

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