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Landtagsdach: Offener Brief an Fritsch

 

Landtagsdach: Offener Brief an Fritsch

Potsdamer Stadtschlossverein kennt preiswerte Kupfer-Angebote. Warnung vor einem Zinkdach wegen Nikolaikirchen-Kuppel - schon in der DDR wurde davon dringend abgeraten

In einem offenen Brief hat der Stadtschlossverein Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) gebeten, sich für Kupfer als Dachmaterial für das neue Landtagsgebäude einzusetzen. Gleichsam setzt sich der Verein bei Fritsch für „eine transparente Überprüfung“ der von der Baufirma BAM vorgenommenen Dachmaterial-Ausschreibung ein. Gleichsam möge Fritsch „dem skandalösen und respektlosen Verhalten“ des Landesfinanzministeriums „als Bauherr und Landtagspräsident Einhalt gebieten“, wie es in dem offenen Brief heißt.

Das Finanzministerium und die BAM hatten in der vergangenen Woche gemeinsam bekannt gegeben, dass ein Kupferdach für das Landtagsschloss 1,63 Millionen Euro mehr kosten würde als ein vergleichbares Dach aus Zink (PNN berichteten). Das habe eine Ausschreibung ergeben, die auf Anregung des Stadtschlossvereins durch die BAM initiiert wurde. Festgestellt werden sollten die Mehrkosten für Kupfer, da das Land Brandenburg lediglich ein Zinkdach für den neuen Landtag bestellte. Kupfer gilt jedoch aus Sicht des Vereins nicht nur als langlebiger, sondern auch als städtebaulich attraktiver, da die nahegelegene Nikolaikirche eine Kuppel aus Kupfer besitzt. Der Stadtschlossverein erklärte sich bereit, die Kupfermehrkosten aus Spenden zu tragen, kalkulierte aber lediglich mit etwa 400 000 Euro Mehrkosten. Dass diese nun das Vierfache betragen sollen, ist nach Ansicht von Stadtschlosschef Michael Schöne „unerklärbar“ und „sehr merkwürdig“. Dies auch deshalb, weil der Verein offenbar Kenntnis davon hat, dass die BAM im Zuge der Ausschreibung auch sehr viel niedrigere Angebote erhalten habe. In dem offenen Brief an den Landtagspräsidenten heißt es wörtlich: „Uns ist jedenfalls bekannt, dass der BAM Angebote von Dachdeckerunternehmen vorliegen, auch von solchen aus der Region, die den gesamten geforderten Arbeitsaufwand enthalten und unter 400 000,00 Euro liegen.“ Weiter heißt es in dem Brief an Fritsch: „Wir halten deshalb die Nennung eines vierfach höheren Wertes für ein zielgerichtetes Abwehren der Kupferdachvariante und behalten uns eine parallele Überprüfung durch die entsprechenden Aufsichtsbehörden ausdrücklich vor.“ Gemeint sind der Bund der Steuerzahler und der Landesrechnungshof.

Indes wird in der Potsdamer Bürgerschaft diskutiert, ob eine Kupferdeckung für ein Gebäude unweit der Nikolaikirche nicht sogar dringend ratsam wäre. So erinnert sich der 75-jährige Horst Rathey, früher beim Wohnungsbaukombinat beschäftigt, an den Bau der heutigen Fachhochschule (FH) in Potsdams Mitte. Damals habe ein Gutachten eines Instituts die Verwendung von Zink oder Aluminium als Material für Dach- oder Gesimsabdeckungen für das Lehrerbildungszentrum (heute FH) und für die Bibliothek am Kanal untersagt, da diese Gebäude weniger als 300 Meter von der Nikolaikirche entfernt gebaut wurden. Der Grund: Regentropfen, die auf ein Kupferdach fallen, nehmen Kupferionen auf. Gelangen diese Tropfen dann durch Wind auf ein Metall, dass in der elektrochemischen Spannungsreihe minderwertiger ist – beispielsweise Zink oder Aluminium – korrodiert dieses Metall stark. Rathey erklärte den PNN, er habe sich „bereits gewundert, dass beim Landtag noch niemand daran gedacht hat“. Schließlich liegen zumindestens die am Alten Markt gelegenen Seitenflügel des neuen Landtages „innerhalb des Radius von 300 Meter, gemessen an der Peripherie der Nikolaikirche“, erklärte Rathey. Verschärft werde das Problem, da sich die kupferne Kirchenkuppel weit oberhalb des Landtagsdaches befindet, was den Tropfenüberschlag erleichtert. Eine den PNN vorliegende Kundeninformationen des Fensterherstellers Velux scheint Ratheys Mahnung zu stützen: „In abfließendem Wasser enthaltende Kupferionen können die Flächenkorrosion von Aluminium, Zink und verzinktem Stahl fördern, insbesondere wenn es sich um größere Kupferflächen handelt. Deshalb sollten diese Metalle nicht unterhalb von Kupferwerkstoffen verwendet werden.“

PNN vom 30.08.2011, von Guido Berg

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