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Leserbrief zu „Potsdamer Mitte im Dialog“

 

Leserbrief zu „Potsdamer Mitte im Dialog“

Säule vorm Fenster oder Brett vorm Kopf?

In der Veranstaltung „Potsdamer Mitte im Dialog“ wurden die Potsdamer am 30. März 2010 erstmals umfassend über den geplanten Landtagsneubau im „Knobelsdorff-Gewand“ informiert. Das Ergebnis ist, was die angebliche Rekonstruktion der historischen Fassade betrifft, ernüchternd. Nicht einmal die unter Mitwirkung des obersten Brandenburgischen Denkmalschützers, Prof. Detlef Karg, bereits am 31. März 2008 erstellten Mindestanforderungen werden erfüllt. Darin ist ausdrücklich gefordert, „die entscheidende Rhythmik des Baues […] zu bewahren. So wird z. B. die außermittige Lage der Mittelrisalite auch in der Rekonstruktion beibehalten“. Die angeblich nur im Zentimeterbereich liegenden Maßabweichungen führen u. a. dazu, dass die Ringerkolonnade zwischen Marstall und Westfront der Schlossfassade nicht mehr auf einen Pilaster, sondern auf eine Fensteröffnung trifft. Das Architekturbüro Redlich stellte diese Divergenz zeichnerisch dar (vgl. Abbildung), basierend auf dem Vergleich der ProDenkmal-Fassadenvorgabe mit der akribischen Auswertung des vorliegenden Feldrisses und aller relevanten historischen Unterlagen.

Die Richtigkeit dieser Darstellung wurde vom ProDenkmal-Vertreter ausdrücklich bestätigt. Somit ist davon auszugehen, dass auch die übrigen Verschiebungen, die bis zu 1,80 m (!) betragen, von Redlich richtig ermittelt sind. Dies der Öffentlichkeit als „minimale Abweichungen“ zu verkaufen, ist nicht nur dreist, sondern unverantwortlich!

Im Übrigen:
Wenn sie so geringfügig wären, wie behauptet, hätten sie im Umkehrschluss keine
gravierenden Auswirkungen auf die Funktionalität des Baues. Warum baut man dann aber wider besseres Wissen von vornherein Fehler ein? Will man sich unbedingt vor der internationalen Fachwelt blamieren, die sehr genau verfolgt, was in Potsdam passiert?

Darüber hinaus wurde deutlich, dass die von „Mitteschön“ immer wieder geforderte Nutzung des Hofes zu öffentlichen Veranstaltungen, die einst auch „Die Linke“ zur Bedingung für ihre Zustimmung erklärt hatte, zur Farce gerät. Nicht einmal das jährliche Sommerfest der Landesregierung kann hier künftig stattfinden, weil mit 1.500 bis maximal 2.000 Menschen kaum die Hälfte der Gäste das Areal betreten dürfte. Da die einstigen Kutschdurchfahrten nicht wiederhergestellt werden sollen, fehlen schlicht die Fluchtwege. Konzertveranstaltungen werden ebenfalls nicht möglich sein. Wie historische Fotos beweisen, wurde das Orchester aus akustischen Gründen immer vor dem (dann geschlossenen!) Fortunaportal aufgestellt, da die dortigen viertelkreisförmig verlaufenden Flügelbauten für die günstigste Klangabstrahlung sorgten.

Wie lange will man uns Bürger noch zum Narren halten?

Andreas Kitschke (Potsdam)

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