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Nichts Kritisches für die Nachwelt?

Neuer Landtag: Schlossverein will Schriftstück in die Grundstein-Kartusche legen – darf aber nicht

Innenstadt - Die Landespolitiker sorgen sich offenbar um ihren Ruf bei der Nachwelt: Wenn am 16. Februar der Grundstein für den neuen Landtag gelegt wird, soll auch eine Zeitkapsel in die Erde der Potsdamer Mitte versenkt werden. Diese wird „Baupläne und Lagekarten“ enthalten, nicht aber ein kritisches Schriftstück des Stadtschlossvereins. Dessen Bitte, auch etwas in die Kartusche legen zu dürfen, wurde abgelehnt, teilte gestern Ingrid Mattern (Linke), Sprecherin des Landesfinanzministeriums, auf PNN-Anfrage mit.

Es habe mehrere Anfragen gegeben, daher sei entschieden worden, niemandem den Vorzug zu geben. Ingrid Mattern: „Wer weiß, was die am Ende alles angebracht hätten …“ Allerdings ließ die Sprecherin durchblicken, dass sich an der Haltung noch etwas ändern könnte: „Es ist noch nicht aller Tage Abend …“

Als einen „Affront gegen uns“ wertet Michael Schöne, Vorsitzender des Stadtschlossvereins, die Ablehnung aus dem Ministerium Helmut Markovs (Linke), „eine Rolle Papier mit unserem Gedankengut“ in die Grundstein-Zeitkapsel legen zu dürfen. Gern hätte Schöne für die Nachwelt notiert, „dass es mit dem Stadtschloss auch hätte anders laufen können“. Skeptisch sehen die Vereinsmitglieder die Verbreiterung zweier Flügel um sechs Meter, die Verschiebung der Risalite – Vorsprünge – in der Fassade im Vergleich zum Knobelsdorff-Original, die geplante Tiefgaragen-Einfahrt für den Landtag in der künftigen Humboldtstraße sowie eine Veränderung der Dachform.

Die Ablehnungsgründe Markovs hält Schöne für „ein vorgeschobenes Argument“: „Hätten wir nicht das Fortuna-Portal aufgebaut, gäbe es diese Baustelle gar nicht“, erklärte Schöne „relativ verärgert“. Schöne verweist darauf, dass der Stadtschlossverein der einzige Verein in Potsdam ist, der sich den Wiederaufbau des Stadtschlosses als einziges Ziel gesetzt hat. Da dies nach langem Ringen nun bis 2013 erreicht wird, sammelt der Verein fortan Spenden für die Rekonstruktion historischer Dachfiguren des Schlosses. Nach Bürgerprotesten, auch von Mitgliedern des Stadtschlossvereins, hatte SAP-Milliardär Hasso Plattner mit seiner 20-Millionen-Euro-Spende zugunsten der Knobelsdorff-Fassade für den Durchbruch gesorgt. Der neue Potsdamer Landtag entsteht nun nach dem Vorbild des 1945 schwer beschädigten und 1959/ 1960 gesprengten Potsdamer Stadtschlosses. Der Stadtschlossverein ist nicht nur wegen der Dachfiguren ein Akteur auf der Baustelle: Gegenwärtig prüft die Baufirma BAM, ob das Landtagsschloss ein Dach aus Kupfer erhält. Die Mehrkosten im Vergleich zu Zink will der Stadtschlossverein aus Spendengeldern tragen.

Indes hat die Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg angesichts deutlicher Mehrkosten und einer möglichen Verzögerung beim Neubau des Brandenburger Landtags die Vergabe öffentlicher Großprojekte als Öffentlich-Private-Partnerschaft (ÖPP) kritisiert. ÖPP-Verfahren seien „mittelstandsfeindlich und kostenintensiv“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau, Wolf Burkhard Wenkel, gestern in Potsdam.

(PNN 08.02.11 von Guido Berg)

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