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Saskia Hüneke zur Kunstprovokation von Florian Dombois

Saskia Hüneke zur "Zugabe" von Florian Dombois

Die Absicht von Florian Dombois, mit seiner "Zugabe" eine Diskussion über das Für und Wider
des Wiederaufbaus des Potsdamer Stadtschlosses zu provozieren, geht ins Leere.
Diese Debatte ist über Jahre intensiv geführt worden und hatte das Landtagsschloss zum Ergebnis,
es bedarf keines Hinweises. Gleichzeitig wurde die Chance, einen Kontrast in einer
modernen Kunstsprache zu setzen und so von der Form her eine Auseinandersetzung
mit der historisierenden Fassade zu führen, vertan.

Der Denkansatz, die Wiederholung einer historischen Fassade würde sie beliebig machen
und könnte dann genauso gut auch öfter wiederholt werden, rechnet nicht mit der
überzeugenden Stärke der Landtagsfassaden. Ein intensiver, teils kontroverser Planungsprozess,
die handwerkliche Herstellung, die räumliche und materielle Präsenz der Landtagsfassaden
sind eine großartige, gesellschaftliche Leistung unserer Zeit. Dagegen wirken die
kleinen gemalten Sanssoucis nur lächerlich, gerade weil sie historisches Vokabular
bemühen, aber Kulisse bleiben. Eine wirksame Infragestellung - wenn man denn so
etwas unbedingt wollte - können sie nicht sein.

Fand die Entscheidung zu früh statt, so dass die vom Landtag eingesetzte Jury trotz
aller Erfahrung die Wirkung der Landtagsfassaden vor ihrer Fertigstellung noch nicht
ermessen konnte? Hat die bis heute spürbare Verklemmtheit gegenüber dem kulturellen Erbe,
das die Fassaden aufnehmen, hier ihren Ausdruck gefunden? Warum mag man die Leistung
dieses Wiederaufbaus nicht anerkennen und dem Ergebnis seine großartige Wirkung gönnen?
Und wenn der Künstler das Vorhaben kritisch sieht und damit das Fehlen moderner
Formsprache beklagt, warum verzichtet er selbst dann darauf? Gut, zumindest solche Fragen
hätte Dombois provoziert und eine künstlerische Aktion dieser Art mag Bereicherung sein.

Aber eine auf Dauer angelegte Banalisierung des Landtagshofes ist nicht akzeptabel.
Wir fordern den Landtag auf, hier für eine zeitliche Begrenzung zu sorgen,
um den Hof in absehbarer Zeit wieder erlebbar und vollständig nutzbar zu machen.

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