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Schloss: Kulka setzt moderne Treppe durch

Schlossarchitekt Peter Kulka hat sich mit seinem Brandbrief durchgesetzt: Das Foyer des Landtags im aufgebauten Potsdamer Schloss bekommt keine historische, sondern eine moderne Treppe – eine von Kulka selbst entworfene, geschwungene weiße Mauer mit einem bronzenen Handlauf statt des früheren geschmiedeten, gusseisernen Geländers. Das hat die Kunst- und Ausstattungskommission des Parlamentes am Montag überraschend beschlossen, mit drei Ja- gegen eine Nein-Stimme. Dafür stimmten die Linke-Vizelandtagspräsidentin Gerrit Große, die SPD-Abgeordneten Susanne Melior und der FDP-Abgeordneten Jens Lipsdorf. Dagegen stimmte die CDU-Abgeordnete Anja Heinrich, die – damit auf der Linie des Finanzministeriums – für ein historisches Geländer an dieser sensiblen Stelle plädierte. Die Grünen waren nicht anwesend. Heinrich bedauerte die „ideologische“ Entscheidung. „Es ist schade, das man viele Potsdamer damit verärgert“, sagte sie. Das Material der Treppe erinnere nun etwas an Ikea-Küchen.

Dagegen sagte die Linke-Abgeordnete Gerrit Große, man sei zwar anfänglich skeptisch gewesen, doch seien die Argumente Kulkas überzeugend. Bei der geschmiedeten Treppe hätte man danach aus Sicherheitsgründen die Stäbe im Gegensatz zum historischen Vorbild so eng machen müssen, „dass das Luftige weg gewesen wäre.“ Nun passe die moderne Treppe auch zur von Kulka vorgeschlagenen Kuppel über dem Foyer, die man ebenfalls empfehle. Wie berichtet, hatte Kulka – ausgelöst durch das Veto des Finanzministeriums gegen seinen Entwurf eines modernen Geländers – in seinem Brandbrief Missstände beim Landtagsneubau beklagt und indirekt sogar mit seinem Rückzug gedroht („Ich kann meine Pflicht nicht mehr wahrnehmen.“) Vom Votum der Kommission wurde nun das Finanzministerium überrascht. Es hat bisher, zuletzt in einem Schreiben an die Baufirma BAM vom 5. Juni, auf die „Ausführung nach historischem Vorbild“, also auf das Schlossgeländer, gepocht. Ein Lösung, die Kulka aber „zu keinem Zeitpunkt ... akzeptieren und planen“ wollte. Mit seinem Druck gelang es ihm, dass er der Kommission beim „Bemusterungstermin“ seinen Entwurf für eine Treppe als „skulpturales Element“ vorstellen konnte. Sein Auftritt verfehlte dann die Wirkung nicht.

PNN vom 19.06.2012, von Thorsten Metzner

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