Aktuelles

Schon wieder Geschenke.

So schreibt man ausserhalb Brandenburgs über die Stadt:



Nein, zu beneiden sind die Regierungsmitglieder
in Potsdam in der Sauregurkenzeit
wirklich nicht. Die Abgeordneten
des Landtags sind in die Ferien ausgeflattert
und nicht viel mehr als nur
noch eine Stallwache hält die Stellung in
den Ministerien. Zu tun gibt es ohnehin
nicht viel und so quälen sich die verbliebenen
Minister und Staatssekretäre mangels
Alternativen zu öffentlichen Terminen,
die vor allem gähnfreie Tapferkeit
erfordern.
Landesvater Platzeck nimmt als Schirmherr
an einem Wasserfest teil, um kurz
darauf einige Kilometer weiter vor
einem Provinzhotel eine Flagge zu hissen.
Sozialminister Baaske besucht Kinderferienlager
und vergibt allerlei
Urkunden. Der Regierungs-Hofstaat
langweilt sich, denn die Musik spielt
eine Ebene tiefer mitten in der Kommunalpolitik
der Landeshauptstadt. Die lebt
beim Wiederaufbau der historischen
Innenstadt maßgeblich von Sponsorengeldern.
Moderator Günther Jauch,
Modedesigner Wolfgang Joop oder Milliardär
Hasso Plattner scheinen als
Sponsorenmaskottchen derart beispielgebend,
dass man sich in einigen Jahren
in Potsdam fragen wird, ob es den Zweiten
Weltkrieg und dessen derzeit noch
sichtbare Kriegswunden jemals gegeben
hat. Das nachempfundene Stadtschloss
steht bereits im Rohbau, die
Garnisonskirche wird folgen. Potsdam
kann sich vor Investoren kaum retten,
und da ist es verständlich, dass die Stadt
irgendwann satt ist. Irgendwann ist es
auch mal gut, mögen sich die kommunal
maßgeblichen Kräfte gedacht haben.
Als Plattner auch noch eine Kunsthalle
voll mit DDR-Kunst spendieren wollte,
war das einfach zu viel. Weil vor allem
die Linke das vergiftete sozialistische
Geschenk des Erzkapitalisten nicht
wollte, gibt es künftig eine private
Kunsthalle Plattners.


Nordkurier vom 07.07.2012

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