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Spenden für den Kopf des Herkules

Förderverein legt Katalog vor, der detailliert Preise für 18 Attika-Figuren des Stadtschlosses auflistet

Nachdem die Grundsatzentscheidungen für den Bau des Potsdamer Landtagsschloss gefallen sind, konzentriert sich der Stadtschlossverein auf die Wiedergewinnung der einst die Stadtschloss-Attika schmückenden Sandsteinfiguren. „Der jahrelange Nebel hat sich gelichtet“, sagte gestern der Vereinsvorsitzende Michael Schöne: „Jetzt beginnt eine spannende, konstruktive Zeit; wir können etwas leisten.“ Vor Journalisten präsentierte der Verein einen ersten Spendenkatalog, der die 18 Skulpturen beschreibt, die einst die dem Alten Markt zugewandten beiden Kopfbauten schmückten. Detailliert listen die Autoren Hans Joachim Kuke und Saskia Hüneke den jeweiligen heutigen Zustand der Figur auf – von vollständig erhalten bis komplett zerstört. Angefügt sind Angaben zu den Geldsummen, die durch Spenden eingeworben werden müssen, um die jeweilige Skulptur zu restaurieren oder zu rekonstruieren.

Nach Schätzung von Saskia Hüneke, Kustodin der Figurensammlung der Schlösserstiftung, müssen für die 18 Figuren zwischen 572 000 und 785 000 Euro aufgebracht werden. 300 000 Euro hat der Stadtschlossverein bereits auf dem Spendenkonto, informierte Schöne. Die Hauptfigur auf dem östlichen Kopfbau, die Minerva, 1750 geschaffen durch Johann Gottlieb Heymüller, konnte bereits restauriert werden. Sie steht derzeit im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte. Zu den erhaltenen Figuren der nordöstlichen Eckgruppe gehört der „Jüngling mit Saiteninstrument“, geschaffen 1750 durch Leonhard Storch. Diese Figur ist Saskia Hüneke zufolge erhalten und schmückt derzeit als Dauerleihgabe die Attika der Berliner Humboldt-Universität. Die Rückkehr des „Jünglings“ sei erst nach Fertigstellung des neuen Landtages vorgesehen. Bevor er seinen alten Platz einnehmen kann, muss er restauriert werden, so die Kustodin. Die Kosten hierfür werden im nun vorgelegten Katalog mit acht bis 10 000 Euro angegeben.

Als nächstes Ziel hat sich der Stadtschlossverein die Restaurierung der Bekrönungsfigur des westlichen Kopfbaus vorgenommen, des 1751 von Heymüller geschaffenen Herkules. Es ist der Menschensohn, der der griechischen Mythologie zufolge zwölf übermenschliche Aufgaben meistert. So ermöglicht er im Kampf der Titanen und Giganten – der Ur- und Erdkräfte – durch List und Kraft den Sieg der olympischen Zivilisation. Die Herkules-Figur ist relativ gut erhalten, lediglich der Kopf müsste dem Katalog zufolge nach historischen Fotoaufnahmen rekonstruiert werden. Die Kosten gibt der Katalog mit 20 bis 28 000 Euro an.

Insgesamt schmückten einst 76 überlebensgroße Sandsteinfiguren das zwischen 1744 und 1752 durch Georg Wenceslaus von Knobelsdorff zum „Schloss der Aufklärung“ Friedrichs des Großen ausgebaute Potsdamer Stadtschloss. 17 der Figuren sind ganz erhalten, 18 weitere sind zu unterschiedlich großen Teilen gerettet worden. Völlig zerstörte Skulpturen können laut Katalog anhand von alten Aufnahmen rekonstruiert werden. Wie der Kunsthistoriker Hans Joachim Kuke im Katalog schreibt, war das Schloss „keinesfalls ein Luxusspielzeug des Monarchen“. Es habe nicht „einer platt-politischen Verherrlichung des Königs als Person“ gedient. Es sei bei der Rezeption der Antike vielmehr darum gegangen, „sich zu eben diesem Zivilisationsniveau zu bekennen“.

Guido Berg - PNN vom 4.9.2009

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