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Torflinsen und Salzaufstieg bekannt

 
Kritik von Stadtschlossverein und Mitteschön: Mehrkosten für Landtagsbau waren vermeidbar

Es bleibt dabei: Der Stadtschlossverein darf keine eigenen Schriftstücke mit in die Grundstein-Kartusche für den neuen Landtag legen. „Wir haben das noch einmal geprüft und das so entschieden“, erklärte gestern die Sprecherin des Landesfinanzministeriums, Ingrid Mattern auf PNN-Anfrage. Die Entscheidung richte sich nicht gegen jemanden persönlich. Der Vorsitzende des Stadtschlossvereins, Michael Schöne, hatte die Weigerung des Ministeriums kritisiert und vermutet, der Hintergrund könnten die kritischen Inhalte des Schriftstücks sein, das der Verein mit in die Grundstein-Hülse legen wollte (PNN berichteten). Der Grundstein für den neuen Landtag in der äußeren Gestalt des ehemaligen Stadtschlosses wird am morgigen Mittwoch um 13.30 Uhr gelegt.
Besänftigend verwies die Ministeriumssprecherin darauf, dass auch Vertreter der Bürgerinitiative „Mitteschön“ und des Stadtschlossvereins „offizielle Gäste“ der Grundsteinlegung sein werden. Diese seien „herzlich willkommen“, sagte Ingrid Mattern.
Hans-Joachim Kuke vom Stadtschlossverein bestätigte gestern den Eingang der Einladung und auch seine Teilnahme an der Zeremonie. Dessen ungeachtet bekräftigten „Mitteschön“ und Stadtschlossverein in einer gemeinsamen Presseerklärung ihre Kritik an „unverständlichen Kostensteigerungen für einen überdimensionierten Landtag“. Die Baufirma BAM hatte beim Land Brandenburg 15,4 Millionen Euro Mehrkosten für den Bau geltend gemacht. 120 Millionen Euro waren ursprünglich veranschlagt worden. Der Pressemitteilung zufolge hätte ein Großteil der Mehrkosten vermieden werden können, „wenn das Land von Anfang an bereit gewesen wäre, auf den Rat von ortsansässigen Fachleuten, auch vom Stadtschlossverein und von ,Mitteschön’ zu hören“. Als Grund für Mehrkosten seien etwa Risiken im Baugrund als Ursache für Zeitverzögerungen genannt worden. Dabei, erklärte der Potsdamer Architekt Christian Wendland, sei der Baugrund in der Mitte schon vom Bau des Mercure-Hotels hinreichend bekannt. Der Statiker lebe noch und hätte befragt werden können. Auch für das nicht fertiggestellte und später wieder abgerissene Theater an der Alten Fahrt seien Bohrproben gezogen worden. „Dazu gibt es Unterlagen bei der Stadt“, sagte Wendland. Von sogenannten „Torflinsen“ und dem „Salzaufstieg“ hätte jeder wissen können.
Ferner erklären die Bürgerinitiative und der Stadtschlossverein, dass die Risse im Fortunaportal „vermeidbare Fehler“ gewesen sind. Wendland zufolge hätte schon vor dem Aushub der Baugrube eine Beton-Injektion in den Sand unter dem Portal erfolgen müssen statt erst nachher. Anstatt zur Seite wäre dann eine Lastableitung in die Tiefe möglich gewesen.
Ferner wird kritisiert, dass mindestens zehn Millionen Euro Baukosten hätten eingespart werden können, wenn die Büros für zusätzliche Landtagsabgeordnete aus der Länderfusion Berlin-Brandenburg ausgelagert worden wären. Selbst der Bund der Steuerzahler habe kritisiert, dass beim neuen Landtag die vom Land selbst erlassene Raum- und Flächennorm für Landesbauten überschritten wurde. „Die Gesamtanalyse ergab Einsparungen von über 30 Millionen Euro“, hieß es.


PNN vom 14.02.2011, von Guido Berg

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