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Verschmähte Glocken: Empörung über Fritsch

Freitag, 12.10.2012

Verschmähte Glocken: Empörung über Fritsch

Heftige Kritik an Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD): Anlass ist dessen Entscheidung, ein 50 000-Euro-Geschenk für den Landtagsneubau abzulehnen. Es handelt sich um zwei Bronzeglocken.

Barbara Kuster vermisst „jeglichen Anstand und Feinfühligkeit“, Joachim Kuke bezeichnet die Entscheidung als bedauerlich: Mit harten Worten haben Vertreter der Bürgerinitiative „Mitteschön“ und vom Stadtschlossverein Brandenburgs Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) kritisiert. Anlass ist dessen Entscheidung, ein 50 000-Euro-Geschenk für den entstehenden Landtagsneubau am Alten Markt abzulehnen. Wie berichtet, hat der Berliner Unternehmer Erik von Grawert-May bereits zwei Glocken gießen lassen, die er ins Fortuna-Portal hängen will – als lautstarke Symbole für die preußisch-aufklärerische Toleranz.

Doch geht es bei dem Streit noch um mehr: Nach dem Angebot von Grawert-Mey hat die Landtagsverwaltung bereits im September eine Grundsatzentscheidung „zum Umgang mit Spenden, Schenkungen und vergleichbaren Anliegen des bürgerschaftlichen Engagements“ getroffen. In dem Papier heißt es, weder der Innenhof noch das Gebäudeinnere kämen als Standorte für Schenkungen von historischen Gebäudeteilen oder Erinnerungsstücken in Betracht. Wörtlich heißt es weiter, auch „nicht verbürgte oder anachronistische Hinzufügungen aus anderen Epochen der Schlossgeschichte“ würden sich verbieten.

Fritsch beruft sich auf einen Landtagsbeschluss. Demnach hat sich die Gestaltung des Landtagsschlosses dem Ziel unterzuordnen habe, ein funktionsfähiges Gebäude zu errichten, im Inneren und an der Fassade. Dazu müsse sich die Außenseite konsequent an dem Knobelsdorffschen Vorbild orientieren. Wenn man erst einmal etwas zulasse, wie die Glocken, könne man sich am Ende kaum mehr gegen andere Spenden und Geschenke wehren, hieß es aus dem Umfeld von Fritsch.


PNN vom 12.10.2012, von Alexander Fröhlich und Henri Kramer

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