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Visionen für die Mitte

 

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Bürgerinitiative Mitteschön legt weitere Computer-Grafiken von Leitbauten vor

Die Bürgerinitiative Mitteschön hat gestern weitere Visualisierungen von Potsdamer Leitbauten vorgestellt. Wie Sprecherin Barbara Kuster im Alten Rathaus vor Journalisten erklärte, geht die Initiative von zehn zerstörten, architekturhistorisch bedeutsamen Gebäuden aus, die im Zuge der Wiedergewinnung der Potsdamer Mitte rekonstruiert, das heißt in Kubatur und Fassade wieder errichtet werden müssten. Dazu gehören das Restaurant „Zum Einsiedler“ in der Schloßstraße 8 und der Plögersche Gasthof, später Kommandantur, der sich einst gegenüber an der heutigen Friedrich- Ebert-Straße befand (Foto oben). Der Plögersche Gasthof wurde 1753 als Kopie des Palazzo Valmarana in Vicenza gebaut, einem Entwurf von Andrea Palladio, nach Auffassung des Kunsthistorikers und Mitteschön-Mitglieds Joachim Kuke „der einflussreichste Architekt der Baugeschichte“.
Ferner präsentierte die Initiative Computergrafiken für den Acht-Ecken-Platz (Bild unten) als Kreuzung von Schwertfeger-Straße und Friedrich-Ebert-Straße (früher Hohe Wegstraße) sowie von der Eingangssituation der Hohen Wegstraße, vom heutigen Platz der Einheit aus gesehen. Eine Grafik der Alten Post hatte Mitteschön bereits Ende September vorgelegt (PNN berichteten). Eine Visualisierung des Palais Barberini werde Barbara Kuster zufolge bis Jahresende folgen. Weiter als Leitbauten der Mitte gelten der Palazzo Chiericati und der Palazzo Pompei, Humboldtstraße 3 und 4, letzterer einst Wohnort Alexander von Humboldts.
Die technisch aufwendigen Computergrafiken hat die Dresden Firma arte4D von Andreas Hummel in Zusammenarbeit mit dem Potsdamer Architekten Christopher Kühn erstellt. Hummel hatte bereits Visualisierungen des Dresdener Neumarktes erarbeitet, „anhand derer städtebauliche Probleme diskutiert werden konnten“, wie Hummel gestern erklärte. Finanziert wurden die Visualisierungen durch die New Yorker Stiftung „Friends of Dresden“ des Medizin-Nobelpreisträgers Günter Blobel.
Mitteschön verfolgt laut Barbara Kuster das Ziel, die Potsdamer mitzunehmen bei der Gestaltung der Mitte. Am Besten könnte anhand von Bildern diskutiert werden, daher die Idee der Leitbauten-Visualisierung. Die Initiativsprecherin lobte den Vorstoß des Baubeigeordneten Matthias Klipp (Bündnisgrüne), bis Jahresende ein Leitbauten-Konzept für die Mitte zu erarbeiten. Dissenspunkt bis dato ist die Alte Post von Georg Christian Unger, Vorgängerbau des sich im Abriss befindlichen Haus des Reisens. Klipp hatte angekündigt, die Alte Post nicht in das Leitbauten-Konzept mit aufzunehmen. Gegenwärtig wird in einem Architekten-Workshop die künftige Architektur an der Ecke Yorckstraße/Friedrich-Ebert-Straße beraten. Die Ergebnisse werden in Kürze erwarten und müssen sich mit den Worten Barbara Kusters an der vorgelegten Visualisierung der Alten Post „messen lassen“.
Kuke zufolge ist eine Gebäude-Rekonstruktion abhängig vom Vorliegen einer guten Baudokumentation. Oft hätten die Gebäude mehrfach ihre Gestalt verändert – so wurde etwa bei der Alten Post das oberste Geschoss aufgestockt. In der Wissenschaft werde jedoch davon ausgegangen, dass sich im ersten Wurf des Baumeisters „der künstlerische Geist manifestiert“.
Eine Rekonstruktion ist zwar teurer als die Umsetzung zeitgenössischer Architektur, aber „nicht exorbitant“, so Kuke, in Preußen sei preisbewusst mit Putzfassaden gebaut worden. Arte 4D-Chef Hummel zufolge hätten die Investoren in Dresden sogar sehr gern historischen Fassaden rekonstruiert, da diese als wertbeständig gelten.

PNN vom 16.10.2009, von Guido Berg

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