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Zu den Entwürfen für den Landtagsneubau in der Potsdamer Mitte

Fachgremium für Detailfragen wie bildhauerische Qualität nötig

Ein Beitrag von Saskia Hüneke, Kunsthistorikerin, Kustodin für Skulpturen der Schlösserstiftung

Die Pläne für den neuen Landtag wurden nun erstmals öffentlich vorgestellt – verbunden mit dem dringlichen Appell der Verantwortlichen, die Diskussion müsse nun endlich beendet werden. Das war kabarettreif, ebenso die Videokonferenz mit Prof. Hasso Plattner, durch die vor allem deutlich gemacht werden sollte, dass der großzügige Spender „für die historische Fassade“ die Verwendung seiner Mittel so akzeptiert. Hoffen wir, dass er genau genug hingeschaut hat.

Trotz allem wird es weiter ein erhebliches öffentliches Interesse geben, es wird nicht mehr genügen, nur verlesene Informationen zuzuteilen, Fragen müssen beantwortet werden. Denn wenn die Gesellschaft an dieser Bauaufgabe nicht teilhaben kann, läuft auch ihre kulturelle Funktion ins Leere.

Als Mitglied des Beirates Potsdamer Mitte habe ich die Entscheidung für den Landtag am Alten Markt im vollen Wissen mit vorbereitet, dass dann der Innenhof nicht 1:1 errichtet werden kann. Der Landtag hat seinen Beschluss zur Funktionalität des Gebäudes auch nie relativiert. Darum überrascht mich dies heute nicht. Im Gegenteil, dass eine so zurückhaltende Lösung möglich sein würde, habe ich kaum erwartet. Vielleicht ist es hilfreich an die Seitenflügel des Schlosses Sanssouci zu denken, die Ludwig Ferdinand Hesse für die Hofhaltung Friedrich Wilhelms IV. 1841/1842, fast hundert Jahre nach Fertigstellung, anfügte. Worum es auch im Hinblick auf dieses sehr geglückte Beispiel geht, ist die Umsetzung im Detail. Dazu stehen für mich eine Menge Fragen im Raum, von deren Beantwortung abhängt, ob die äußere Erscheinung des Landtagsgebäudes überzeugen wird:

Wie genau wurden die Maße der Vorbildfassade in den neuen Entwurf eingearbeitet?

Beruht der äußere Fassadenverlauf auf den Befunden der Fundamentvermessung?

Wurden „Ungenauigkeiten“ des Vorbildes aufgenommen?

Sind die unterschiedlichen Fenstergrößen je nach Hauptbau oder Seitenflügeln berücksichtigt und die Maße der sandsteinernen Fenstergewände genau übernommen?

Zu welchen Veränderungen führt das Einfügen des fünften Geschosses in den Maßen und der genauen Lage von Hauptgesims und Attika über das, was man direkt sehen kann, hinaus?

Hat der Fassadenschnitt die gleiche Plastizität wie bei Knobelsdorff?

Gehen die Planer von einer echten „Rekonstruktion“ der äußeren Fassaden aus?

Kann für diese Fassaden die Befürchtung, dass die Finanz- und Zeitkalkulation die steinmetzmäßige und bildhauerische Herstellung der Sandsteinteile nicht berücksichtigt und statt dessen die Eilmethode der maschinellen Vorfertigung mit Überarbeitung per Hand und damit das Entstehen einer toten, optisch billigen Täuschung ausgeräumt werden?

Wäre es nicht höchste Zeit, Aufträge für die Kapitelle auszuschreiben und zu erteilen? Ihre Maße sind perfekt bekannt, die Vorbilder vorhanden. Wie die übrige Planung inzwischen weiterentwickelt wird, ist für diese Arbeit unerheblich, aber für eine bildhauerische Qualität zählt jeder Monat.

Oder bezogen auf den Innenhof: Wie sieht die Lösung für die gegenüber dem Vorbild versetzten Hoffassaden aus? Aus denkmalpflegetheoretischer Sicht ist eine Rekonstruktion bei verändertem Standort hier nicht angebracht, gleiches gilt auch für das leicht versetzte Treppenhaus (so sehr man sich über diese Entscheidung freuen mag): Deshalb steht die Frage im Raum, ob Prof. Peter Kulka sie hier dennoch vorsieht oder eine leicht abstrahierte Darstellung des historischen Vorbildes unter Einbeziehung der Originalfragmente gemeint ist? Wenn ja, wie sieht das in der Detailplanung aus?

Eine wichtige Frage scheint auch die Materialität und Farbe des Daches zu sein, da das auf den Plattformen der Nikolaikirche und des Landtages selbst gut sichtbare Dach sehr kompakt ist und die stärkste Verfremdung gegenüber dem Vorgängerbau darzustellen scheint. Ist ein Kupferdach, das dann grün patiniert, vorgesehen?

Aus städtischer Sicht ist die Frage, ob die Garagenzufahrt qualifizierbar ist, von großer Bedeutung, wird doch die Humboldtstraße eine der interessantesten Entreés in die Stadt sein.

Diese und andere Fragen kann man besser beraten, als nur verkünden. Deshalb steht immer wieder die Forderung nach einem Fachgremium im Raum: Der Architekt könnte seine Ideen, Problemlösungen und Anregungen im Detail erläutern, es könnten Erfahrungen und Lokalkenntnis aus Architektur, Denkmalpflege, Bauhandwerk und Steinrestaurierung einfließen. Das Fachgremium (das nichts mit dem von der Stadt einzurichtenden Gestaltungsrat zu tun hat) wäre nach meinem Vorschlag kein politisches, sondern ein reines Arbeitsgremium, dessen Beratungsergebnisse aber ebenso öffentlich gemacht werden sollten wie alle Zwischenschritte im Planungs- und Baufortschritt. Wenn der neue Landtag ein Bürgerschloss werden soll, muss es jetzt endlich absolute Offenheit geben.

MAZ vom 25.8.2009

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